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Montag, 7. Juli 2014

Wem schenkt Linden Lab seine Aufmerksamkeit?

Quelle: Dwell On It
Tateru Nino gehörte bis vor ein paar Jahren zu den meistbeachteten Bloggern rund um Themen aus Second Life. Dann hat sie sich, zum Teil auch aus gesundheitlichen Gründen, weitgehend vom Bloggen verabschiedet. Heute ist sie meist auf Twitter aktiv und macht dort auf Artikel anderer Webseiten aufmerksam, allerdings weniger zum Thema SL, sondern mehr in Richtung Politik.

Am Freitag hat sie jedoch nach langer Zeit wieder mal einen längeren Artikel zu SL, oder besser gesagt über Linden Lab geschrieben. In der Überschrift fragt sie, wem Linden Lab eigentlich seine Aufmerksamkeit schenkt, wenn sie Entscheidungen bezüglich ihres Vorgehens treffen. Zunächst meint Tateru, die einfachste Antwort sei "jedem". Allerdings hält sie das für zu oberflächlich und deshalb versucht sie dann, ihre eigene Frage genauer zu analysieren.

Das macht sie in meinen Augen ziemlich bedacht und selbst mit einer eins zu eins Übersetzung könnte ich ihren inhaltlichen Ausdruck hier nicht rüberbringen. Also veruche ich es erst gar nicht, sondern fasse nur grob zusammen.

Auf den Punkt gebracht ist Linden Lab zunächst einmal ein gewinnorientiertes Unternehmen. Wären sie das nicht, würde es heute weder Second Life noch Linden Lab mehr geben. Um mit ihrem Unternehmen auch in ein paar Jahren noch erfolgreich zu sein, muss LL für seine Zukunft planen. Firmen die das nicht machen und deren Tagesgeschäft durch irgendwelche Gründe plötzlich wegbricht, stehen dann oft vor ihrem Ende.

Wem oder was also schenkt LL in diesem größeren Rahmen seine Aufmerksamkeit?

Tateru schreibt, in erster Linie den Medien. Die Medien definieren ein Produkt und/oder eine Dienstleistung für alle, die bisher noch kein Kunde der Firma geworden sind. Und das ist bei LL sowohl eine Chance als auch eine Bedrohung zugleich. Jeder der SL noch nicht kennt, erhält in den Medien ein ziemlich schräges Bild davon, das irgendwo zwischen "ziemlich falsch" und "komplett falsch" liegt. Oder anders ausgedrückt: Wer SL noch nicht aus eigener Erfahrung kennt, bekommt über die Medien eigentlich nur Dinge mit, die nicht stimmen. Diese Diskrepanz zwischen medialer Wahrnehmung und tatsächlichem Sachverhalt kostet Second Life einen Großteil an neuen Nutzern.

Als nächstes achtet Linden Lab natürlich auf die Meinung seiner Kunden. Das mag für manche zwar nicht so aussehen und das ist auch nicht immer für jeden offensichtlich, aber Tateru meint, LL schenkt seinen Kunden ebensoviel Aufmerksamkeit, wie jede andere Firma auch, in der sie bisher gearbeitet hat. Und sie meint, dass LL dabei besser abschneidet, als die meisten anderen.

Und schließlich schenkt Linden Lab noch dem lieben Geld seine Aufmerksamkeit. Als Unternehmen müssen sie das, sonst wären sie nicht mehr da. Die Menge des Geldes bestimmt auch, ob LL einem einzelnen Kunden, einer Gruppe oder der gesamten Nutzerschaft seine Aufmerksamkeit schenkt. Wer als Landbaron für einen größeren Teil der Einnahmen von Linden Lab sorgt, kann sich sicher sein, dass er von LL erhöhte Aufmerksamkeit erhält. Diese Aufmerksamkeit unterteilt sich dann noch einmal in "dem Nutzer zuhören" und "auf den Nutzer hören", je nachdem, wie oft man sich bereits positiv oder negativ in Szene gesetzt hat. Das Gleiche gilt dann auch für Gruppen, wie zum Beispiel Caledon Oxbridge, NCI oder The Shelter.

Alle anderen Nutzer repräsentieren zwar zusammengenommen den größten Anteil von LLs Einkommen, aber sie werden meist von den bereits erwähnten Einzelpersonen oder Gruppen vertreten (bei den Landeinnahmen). Diese übrigen Nutzer bilden eine sehr große Gruppe, die in die Hunderttausende geht. Und diesen Leuten kann LL nicht allen persönlich Aufmerksamkeit schenken. Deshalb werden die Aktionen der breiten Masse an SL-Nutzern vom Lab datentechnisch ausgewertet. Alles was man in SL macht, kauft, wohin man geht, usw., wird statistisch erfasst. Die Summe der Statistiken zeigt LL dann ein ungefähres Bild von dem, was der Großteil seiner Kunden in SL so macht und woran sie interessiert sind.

Auf diesem Level achtet LL zwar nicht auf das einzelne Individuum, aber sie können feststellen, woher das Geld kommt, wohin es geht, wieviel davon im Umlauf ist und warum. Dazu zitiert Tateru eine ältere Aussage von John Zdanowski, dem ehemaligen CFO von Linden Lab:
"Die Nutzer geben im Schnitt 1 US$ pro Stunde bei Transaktionen in Second Life aus. Die Nutzer auf LindeX geben etwa 0,20 US$ pro Stunde aus und die Einnahmen von Linden Lab berechneten sich auch über einen gleichbleibenden Betrag pro Stunde (solange ich dort war).

Dies ist die wichtigste Kennzahl [für LL], weil die Benutzer bereit sind, einen bestimmten Betrag pro Stunde für ihre Unterhaltung auszugeben, egal wieviel sie sonst noch an Gebühren bezahlen. Das ist eine Überraschung. Eine Änderung der Preise scheint nichts daran zu ändern, wie viel die Nutzer bereit sind pro Stunde auszugeben."
Nach Ansicht von Tateru liegt hier der Knackpunkt im Geschäftsmodell von Linden Lab. Die Einnahmen pro Benutzer und Stunde verbunden mit den Daten, wo das Geld herkommt und wohin es geht, ist der Motor von SL.

Und jetzt kommt Tateru wieder zurück zu der weitverbreiteten Meinung vieler Nutzer, dass LL ihnen keine Aufmerksamkeit schenken würde. Sie sagt, das sei sehr wohl der Fall. Zwar nicht mit einem Linden Avatar, der uns persönlich im inworld Chat anspricht, aber unter Umständen mit einem der vielen Alts, mit denen sich Linden Lab Mitarbeiter andauernd in SL einloggen zum Chatten, Bauen, Einkaufen gehen und Tanzen. Dabei nehmen sie genau die selben Probleme wahr, die alle Nutzer inworld erleben. Und diese werden dann auch bei internen Meetings besprochen und auf ToDo-Listen gesetzt.

Am Ende ihres Artikels zählt Tateru dann aber auch ein paar Dinge auf, die ihrem bisherigen Pro LL-Kurs entgegenwirken. Zunächst sagt sie, dass es auch bei LL ganz normale Mitarbeiter gibt, die nicht die Hingabe und Passion einiger Nutzer gegenüber Second Life teilen, sondern einfach nur ihren täglichen Job bei LL erledigen (nach dem Motto: Wie komme ich mit möglichst wenig Aufwand durch den Tag). Sowas gibt es allerdings in fast jeder Firma. Und als zweiten Negativpunkt erwähnt Tateru, dass LL absolut unfähig ist, seine Aktionen und Entscheidungen mit den Kunden zu kommunizieren. Für Außenstehende ist es fast nicht nachvollziehbar, was bei LL gerade alles gemacht wird.

Ganz zum Schluss kommt Tateru dann wieder auf ihre ursprüngliche Aussage zurück und wiederholt: Ja, das Lab schenkt jedem seine Aufmerksamkeit. Allerdings auf verschiedene Weise und mit verschiedenen Mitteln. In erster Linie durch Auswertung von Erfolg und Misserfolg im täglichen Geschäft.

Quelle: [Dwell On It] - Who does Linden Lab pay attention to?
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Anm.:
Den Abschnitt, bei dem LL den Medien Aufmerksamkeit schenkt, habe ich irgendwie nicht so ganz verstanden. Denn sowas wie eine wirklich gute Werbekampagne, oder den Versuch einer positiven Selbstdarstellung in den Medien, habe ich von LL bisher noch nicht gesehen.

Zumindest dem Artikel von Tateru hat LL aber Aufmerksamkeit geschenkt und sie haben auf ihrem Twitter-Kanal geschrieben: "Wir hören zu".
>> Linden Lab auf Twitter

Und da Tateru in ihrem eigenen Blog seit einiger Zeit keine Kommentare mehr erlaubt, haben sich viel zu diesem Artikel auf SLUniverse geäußert. Auch Tateru selbst antwortet dort auf einige der Postings:
>> [SLUniverse] - An excellent blog post by Tateru Nino

Kommentare:

  1. Hallo Maddy,

    herzliche Grüße aus Caledon Oxbridge. Es freut mich sehr, dass wir auch in einem deutschen Blog Erwähnung finden.

    Ein wenig bin ich überrascht über das, was Tateru über uns geschrieben hat. Trotz dessen, dass wir eine recht große und seriös geführte Einrichtung sind, ergibt sich dennoch kein Vorteil für uns gegenüber Linden Lab. Auch gibt es keinerlei Kommunikation zwischen Oxbridge und LL. Wir stehen im Grunde genauso hilflos und oft verzweifelt da wie ein einzelner Avatar.
    Was uns sehr helfen würde, wäre ein Preisnachlass für eine Full Region. Vor ein paar Jahren waren wir gezwungen, auf eine Homestead zu wechseln, so können wir nur noch max. 20 Avatare gleichzeitig beherbergen. Das wirkt sich ungemein negativ auf die Gruppendynamik und -entwicklung aus. Viele von uns im Oxbridge-Kollegium haben jeweils mehrere tausend Stunden investiert um es den Neuankömmlingen möglichst leicht zu machen. Um LL's Aufmerksamkeit zu erheischen, bleibt uns nur, die öffentliche Diskussion per Blogs and Events anzukurbeln - darum kümmert sich bei uns im Team bisher nur einer nebenbei, steht also nicht im Fokus.
    Wir haben aber nach wie vor viel Spaß an dem was wir machen und zudem noch viele Ideen für die Zukunft. SL bleibt vorerst noch die brauchbarste virtuelle Welt, also wird es bleiben wie es ist - schade nur, dass LL so träge ist.

    Bzgl. LL und Aufmerksamkeit in den Medien: LL machte vor Jahren TV-Werbung für SL, allerdings nur in den USA. Von den US-amerikanischen Oldbies wird das immer wieder mal diskutiert.

    Ravelli Ormstein
    Dean of Information
    Caledon Oxbridge University

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    1. Hallo Ravelli,

      so ähnlich wie du hat sich auch Desmond Shang auf SLUniverse geäußert. Ich glaube, Desmond ist Owner der Caledon Regionen.

      Ich denke auch, dass Tateru bei ihrer Bemerkung Desmond im Sinn hatte, weil er in den vergangenen Jahren immer wieder zitiert wurde, wenn es um einflussreiche Landlords in SL gegangen ist. Aber scheinbar ist auch Tateru nicht mehr ganz auf dem neuesten Stand.

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