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Donnerstag, 2. April 2015

High Fidelity startet in die offene Alphaphase

Quelle: High Fidelity

Ich hatte Anfang März bereits hier angekündigt, dass High Fidelity kurz vor dem Start eines öffentlichen Zugangs steht. Am 1. April ist HiFi nun in die offene Alphaphase übergegangen. Somit kann sich jeder einen Account anlegen und selbst die neue Plattform antesten. Verkündet wurde es in einem Blogpost von Philip Rosedale und es handelt sich dabei (trotz des Datums) nicht um einen Aprilscherz.

Der Client (oder auch "Interface") hat beim Download eine Größe von ca. 40 MB. Als ich ihn das erste Mal installierte, wurde noch ein Microsoft Redistributable Package von 2013 mit installiert. Beim Anlegen eines Account muss man dann eine gültige E-Mail hinterlegen, sowie einen Namen und ein Passwort auswählen. Da Leerstellen im Namen nicht erlaubt sind, muss man einen Unterstrich oder Punkt verwenden, wenn man seinen SL-Account mit Vor- und Nachnamen auch in HiFi nutzen will. Ich habe für mich maddy.gynoid verwendet. Der Name bei der Anmeldung wird dann im Client nur in einer Liste von eingeloggten Nutzern angezeigt. Der Name über dem Avatarkopf kann dagegen separat in den Einstellungen vergeben werden und muss nicht mit dem Anmeldenamen übereinstimmen. Ebenso muss der auch nicht einzigartig sein.

Auswahl möglicher Zielorte in High Fidelity
Als ich gestern zum ersten Mal einloggte, waren 36 HiFi-Welten online. Das variiert fortlaufend, je nachdem, wer seine auf der eigenen Festplatte installierte Umgebung gerade laufen hat (oder eben nicht). Nach der Anmeldung auf der Webseite hat man Zugriff auf verschiedene Dienste und Infos. Neben dem Verzeichnis der verfügbaren Orte, gibt es noch ein Forum, einen Marketplace, eine Freundesliste und ein paar weitere Dienste, wie zum Beispiel das Registrieren von Ortsnamen (in HiFi-Sprache "Places" genannt).

Das ist das Starthaus für alle Newbies - mein Roboter ist der ganz rechts vorne.
Philip Rosedale betont in seiner Ankündigung ausdrücklich, dass HiFi noch in einer sehr frühen Alphaphase ist. Sowohl die Grafik als auch die Avatare, Animationen und Physik, sind noch nicht fertig entwickelt. Es gibt auch noch viele Fehler in der Server- und Clientsoftware. Aber zum Experimentieren und Ausprobieren wäre HiFi jetzt stabil genug. Wenn man sich nur mal als Avatar umsehen will, genügt es den Clienten zu installieren und zu starten. Wenn man selbst einen Ort betreiben will, muss man auch den Stack Manager runterladen und die ganzen Schritte ausführen, die dazu notwendig sind. Letzteres habe ich (noch) nicht gemacht.

Die Startinsel mal von ganz weit fotografiert. Der schwarze Kasten ist der Newbie-Raum vom vorletzten Foto
Für die Kommunikation gibt es zur Zeit nur Voice in HiFi. Man kann zwar über einen Link im Client-Menü einen IRC-Chat auf einer Webseite öffnen, aber zum einen funktioniert der nicht richtig und zum anderen chatte ich nicht in meinem Webbrowser mit Avataren, die ich in einem ganz anderen Programm vor mir sehe. Wie kommt man nur auf so eine Idee?

Wenn man jedoch Voice verwendet, kann man zusätzlich auch noch seine Gesichtsmimik auf den Avatar übertragen. Diese wird aus einem Mix von Audio- und Webcam-Signalen berechnet. Es reicht aber auch nur eines von beidem. Als Kamera reicht eine normale Webcam wie sie zum Beispiel in einem Notebook eingebaut ist, aber es gehen auch andere Geräte wie z.B. der Intel RealSense Sensor, der dann etwas genauere Details liefert. Wer will, kann auch schon die Oculus Rift verwenden und als Handcontroller werden bereits die Razer Hydra und die Leap Motion unterstützt.

Diesen Avatar habe ich mir nach ein paar Minuten geladen. Er heißt "Judd".^^
Das 3D-Audiosystem funktioniert ebenfalls schon. Wenn man ein gutes Headset verwendet, kann man damit Geräusche und Stimmen räumlich einer Position zuordnen. Sogar ein Echo soll möglich sein, wenn die eigene Stimme an einer Wand reflektiert wird. Bei meinem ersten Test waren die Geräusche die ich gehört habe, allerdings alles andere als angenehm. Entweder schweres Atmen von irgendwelchen Leuten, die vielleicht gar nicht wussten, dass ihr Mikro übertragen wird, oder es waren irgendwelche Hintergrundgeräusche von TV-Geräten, Hunden und anderem Hauslärm zu hören. Zum Glück kann man den Sound durch einen Klick auf das Mikrofonsymbol links oben im Clienten ausschalten.

Etwas inworld zu Bauen ist jetzt bereits möglich. Allerdings muss man dazu auf eine Sandbox gehen oder einen eigenen Server betreiben. Eben genau wie in Second Life. Ich war mal auf der Sandbox der HiFi-Entwickler. Als inworld Prims gibt es Quader, Kugeln und Texttafeln. Alle Objekte lassen sich über verschiedene Greifpunkte verschieben, skalieren und im Falle der Kugel auch plattdrücken, so dass eine Scheibe entsteht. Außerdem lässt sich über das Baumenü auch jedes Objekt aus dem Marketplace direkt hochladen und verbauen. Theoretisch könnte man auf dem Marketplace eine Art Baukastensystem hinterlegen, in dem vielleicht so 20 verschiedene Primformen zur Verfügung stehen. Durch Skalieren und Verformen hätte man dann schon eine ganz gute Auswahl, um zum Beispiel inworld ein Haus aus Einzelelementen zu bauen. Das Baumenü öffnet sich nur auf Regionen, auf denen man Baurechte hat. Dazu einfach am rechten Rand auf den Edit-Button klicken.

Hier ein paar Fotos von der Sandbox. Unten rechts sieht man auch den Eigenschafts-Editor für ein einzelnes Prim:


 

Auf dem angesprochenen Marketplace gibt es bereits ein paar Skripte, Spielzeuge, Baukomponenten, Avatare, Pflanzen und anderen Kleinkram. Da es noch kein Bezahlsystem gibt, sind erstmal alle Artikel auf dem Marketplace kostenlos. Genauso kann man auch selbsterstellte Objekte aus Blender oder anderen 3D-Programmen auf dem Marktplace kostenlos hochladen. Als Format wird FBX unterstützt. Letzte Woche hatten die HiFi Entwickler ein neues Video auf YouTube hochgeladen, in dem der Ablauf zum Einstellen neuer Objekte gezeigt wird. Ich bette das hier mal ein:



Nun möchte ich aber auch noch die negativen Dinge loswerden. Die Kamerasteuerung ist ein Horror. Es ist zwar wie in SL möglich, mit Alt + gedrückter linker Maustaste zu Zoomen, aber dabei wird nicht der Klickpunkt der Maus zum Mittelpunkt der Drehbewegung, sondern vom Anschein her die Mitte des gesamten Ortes, an dem man sich gerade aufhält. Ein spezielles Objekt oder einen Avatar von einer bestimmten Position aus zu betrachten (z.B. für Fotos), ist zur Zeit fast unmöglich. Dazu schnappt die Kamera auch noch permanent unkontrolliert auf andere Ansichten um. Das ist im Augenblick einfach unbrauchbar und ich muss jeden bewundern, der mit dieser Kamera bereits etwas Komplexeres in HiFi aufgebaut hat.

Nächster Punkt ist die Bewegung des Avatars. Da die Physik für Avatare anscheinend noch gar nicht aktiviert ist, versinkt man ständig im Boden, schwebt darüber oder läuft durch alles hindurch. Den fliegenden Roboter, mit dem jeder Newbie in HiFi startet, habe ich gegen einen menschlichen Avatar ausgewechselt (Modell "Judd"). Der wird dann aber in keinster Weise animiert. Man schiebt ihn quasi wie eine Schachfigur durch die Gegend. Schiebt man ihn in Richtung einer Steigung, ist er ruckzuck unterhalb des Landbodens.

Ein paar der Avatare, die zur Auswahl stehen (geht nach unten noch weiter)
Dann gibt es sehr lange Ladezeiten bei Orten mit vielen Objekten. Das ist dann nicht wie in SL, dass die Umgebung Stück für Stück aufgebaut wird, sondern ein Ladebalken am unteren Bildschirmrand lädt und lädt und lädt, und erst wenn alles geladen ist, macht es Plopp und die Landschaft ist da. Bis dahin sieht man nur grüne Wiese oder auch gar nichts. Bei den folgenden beiden Fotos war das so im (zugegeben recht gut gemachten) Porto. Das Laden hat etwa vier Minuten bei mir gedauert (mit DSL 16.000).



Der Cleint scheint auch noch sehr unstabil zu sein. In meinen insgesamt ca. 90 Minuten Onlinezeit bin ich insgesamt sechs mal gecrasht. Meist durch eine verlorene Verbindung. Einmal aber auch beim Ändern des Avatars. Von den Menüpunkten habe ich im Clienten noch nicht alles durchprobiert, aber auch da besteht noch viel Verbesserungsbedarf.

Was zur Zeit auch noch nicht funktioniert, ist das Prozessorsharing für eigene Server. Das soll später einmal bei abnehmender Inworld-Performance durch viele Objekte, Skripte oder Avatare, die zugewiesene Rechnerkapazität für einen Ort auf alle im High Fidelity Verbund teilnehmenden Rechner verteilen. Damit wird dann so etwas wie ein Servercluster gebildet. Diese Funktion soll in den nächsten Monaten fertiggestellt werden. Wie das genau funktioniert, hatte ich hier mal erklärt.

Nochmal mein Avatar von vorne. Die Länge der Arme ist phänomenal... O.O
In den folgenden Monaten wird es generell fortlaufend Änderungen an der Plattform geben. Man sollte also noch nicht mit besonders großen Ambitionen ein Langzeitprojekt angehen, sondern nur experimentieren und, wenn man Fehler findet, diese an das HiFi-Team melden, damit sie behoben werden können. Ich selbst zähle mich nicht zu den Entwicklern oder experimentierfreudigen Bastlern (zumindest nicht in meiner Freizeit). Deshalb werde ich nur von Zeit zu Zeit in High Fidelity reinschauen und die Fortschritte begutachten. Philip Rosedale hat in seinem Blogpost auch erwähnt, dass der Schritt von der Alpha zu einer Beta noch etwa ein Jahr benötigen wird. Und bis dahin dürfte High Fidelity für den normalen, virtuellen Konsumenten eher keine große Rolle spielen.

Alles für den Start mit High Fidelity:

Links:

Quellen:

Kommentare:

  1. Öhmmm... Der Viewer heißt nicht Client, sondern Interface ;)

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    1. Naja, Philip Rosedale benutzt in seiner Vorstellung der offenen Alpha beide Begriffe. Einmal schreibt er Client, einmal Interface. Beides sind eigentlich recht allgemeine Substantive, die auch in anderen Zusammenhängen oft gebraucht werden. Da Linden Lab ihren SL-Viewer auch oft Client nennt, ist mir die Bezeichnung lieber als Interface (was ja eigentlich nur "Schnittstelle" heißt). Noch allgemeiner wäre wohl nur möglich, wenn man die Zugangssoftware von High Fidelity "Programm" nennen würde. :)

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  2. Bin echt gespannt, ob bei all der Entwicklungsarbeit, die HiFi wohl noch vor sich hat, das neue SL HiFi vielleicht noch überholen wird. Es sei denn das neue SL muss auch mit solchen Kinderkrankheiten kämpfen.

    Die Niki

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