Dienstag, 20. Mai 2014

Philip Rosedale auf der SVVR Expo 2014

Auf YouTube gibt es bereits ein Video zur gestrigen Präsentation von Philip Rosedale auf der SVVR-Konferenz. Leider ist es nicht vollständig, da es offenbar technische Probleme gegeben hat. Dennoch haben einige SL-Blogs und Newsseiten darüber berichtet (ein paar Links stehen ganz unten). Daniel Voyager war auch im LEA-Theater und hat das Ganze live angesehen, mit etwa 50 weiteren SL-Bewohnern.

Nach der Konferenz soll wohl ein sauberes Video mit besserem Ton online gestellt werden. Trotzdem hier schon einmal das vorläufige Video und darunter ein paar Aussagen von Philip aus der Aufzeichnung.

Silicon Valley VR expo (Philip Rosedale keynote)



Der Titel der Präsentation lautet "Revenge of Virtual Reality" was in etwa "Die Rache der Virtuellen Realität" bedeutet. Zu Beginn erklärt Philip, was aus seiner Sicht "Virtuelle Realität" bedeutet. Die Kurzform hat er in einen einzigen Satz gepackt. Und der lautet: "Eine Sinneserfahrung, in der die Ergebnisse unserer Handlungen im Einklang mit unseren Erfahrungen aus der Vergangenheit stehen." Damit bezieht er sich in erster Linie auf koordinative Fähigkeiten. Ich drehe in RL meinen Kopf, also sollte auch mein Avatar seinen Kopf drehen. Ich hebe meine Hand, also hebt auch der Avatar die Hand, usw. Und das alles immer mit einer maximalen zeitlichen Verzögerung von 100 Millisekunden. Verallgemeinert sagt Philip dazu dann noch, dass wir in virtuellen Umgebungen die Dinge gerne so hätten, wie wir sie von unserer Erinnerung her kennen oder wie wir ihre Funktionsweise erwarten.

Dann zeigt Philip ein Video der uralten Simulation Game of Life und sagt, dass er als Kind sehr davon fasziniert war. Ein komplexes System entsteht durch Umsetzung ein paar einfacher Regeln. Dann zieht Philip einen Vergleich zwischen einem solchen System und einem Vogelschwarm. Die einzelnen Vögel folgen einfachen Regeln bzw. Instinkten, aber der gesamte Schwarm wirkt relativ komplex. Und dann werden animierte Voxel aus Philips neuer Plattform High Fidelity gezeigt, die ähnlich animiert sind, wie ein Vogelschwarm. Genau damit lassen sich heute innerhalb von Computern virtuelle Welten erschaffen, die noch komplexer sein können als die Realität. Und genau das ist es auch, was Philip in all den Jahren dazu bewegt hat, immer weiter an dieser Technologie zu arbeiten.

Voxelschwarm in High Fidelity / Quelle: YouTube / Brian Hart
Dann sagt Philip, dass Second Life immer noch die beste Version einer virtuellen Realität ist, die wir aktuell haben. Dazu wird eine Karte des SL-Grids eingeblendet. Philip hält die Entwicklung von SL bis heute für eine sehr aufregende Angelegenheit.

Als Nächstes zeigt Philip den Gartner Hype Cycle von 2013, auf dem die virtuelle Realität immer noch im "Tal der Ernüchterung" aufgeführt wird. Und das nun schon seit vielen Jahren. Philip ist der Ansicht, dass sich VR auf der Hype Cycle Kurve aber bald weiterbewegen wird, in Richtung "Plateau der Produktivität".

Nun zeigt Philip, wie Ryan (Mitgründer von High Fidelity) mit Tastatur und Maus die Steuerung von Second Life bedient. Philip hält diese Art zu navigieren oder etwas zu bauen für unglaublich schwer. Für ihn ist die Bedienung der Grund, warum es heute nur eine Millionen Nutzer in SL gibt und nicht eine Milliarde. Anschließend wird eine Grafik eingeblendet, die verschiedene neue Geräte zur Steuerung von virtuellen Welten zeigt. Die Oculus Rift, eine 3D-Kamera (Bewegungssensor), das STEM-System und noch ein paar andere Geräte.

Dann kommt Philip wieder zu seinem Lieblingsthema "Latenzzeit". Wie schon oft erwähnt: Für ihn sind Verzögerungen unter 100ms der heilige Gral. Zur Veranschaulichung wird ein Ausschnitt aus Star Wars gezeigt, bei dem der Ton zeitlich verzögert zu den Bildern zu hören ist. Einmal mit 100ms und einmal mit 433ms, was der Verzögerung eines mobilen Telefons entspricht. Das weitere Hohelied auf die 100ms von Philip schenke ich mir. :)

Quelle: YouTube / Brian Hart
Dann wird über die Entwicklung von Server- und Computertechnologie gesprochen. Wir haben etwa 600 Millionen Server weltweit und das bedeutet fast unbegrenzte Möglichkeiten für virtuelle Welten. Philip ist der Ansicht, dass einige virtuelle Welten in der Zukunft so aussehen werden, wie Pandora aus dem Film "Avatar". Und er meint, dass wir uns dann über die Preise von virtuellen Grundstücken auf Pandora streiten werden.

Dann wird es leicht phantastisch. Zu einem Bildausschnitt aus Powers of Ten erklärt Philip, dass wir im Begriff sind, in ein Zeitalter schier grenzenloser Rechnerleistung einzutreten und dass man damit auch endlos große, virtuelle Realitäten erzeugen kann. Er ist der Ansicht, dass wir bald beginnen werden, das gesamte Universum zu simulieren. Selbst High Fidelity ist in seiner frühen Phase bereits so groß wie San Francisco (so groß ist etwa auch SL) und in der Lage, den Content aus anderen virtuellen Welten zu importieren.

Dann fällt leider erst der Ton im Video aus und danach gibt es nur noch konfuse Kameraschwenks. Deshalb noch ein paar Aussagen aus den Blogs von Daniel Voyager und Wagner James Au:
  • Ryan zeigt mit einem VR-Anzug, wie er in High Fidelity live auf Trommeln spielt. Die Töne werden virtuell erzeugt. Die Latenz ist so gering, dass es wie echte Musik klingt.
  • High Fidelity wird auf Millionen von Rechnern laufen.
  • High Fidelity wird einen Marketplace haben, ähnlich SL, oder sogar gemeinsam mit SL!. Da in High Fidelity jeder Nutzer seine eigene Simulation betreiben kann, wird das Geschäftskonzept der Firma High Fidelity Inc. daraus bestehen, nur über Marketplace, Umtausch virtueller Währung und einem Domain Namensservice Geld zu verdienen.
  • Auf die Frage, ob Second Life mit High Fidelity vereint werden könne sagte Philip: "Meine Hoffnung ist es, dass wir auf jeden Fall mit SL zusammenarbeiten, wenn es möglich ist."

Links:

Heute um Mitternacht wird im LEA-Theater noch eine Diskussionsrunde übertragen, bei der Philip Rosedale, Ebbe Altberg, Draxtor Despres und zwei weitere Personen teilnehmen werden:
>> [Echt Virtuell] - Die SVVR-Konferenz wird exklusiv in Second Life übertragen

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