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Freitag, 13. November 2015

Ebbe Altberg im Podcast des Guardian

Ich habe ja schon dreimal über den Besuch von Ebbe Altberg auf der Web Summit 2015 berichtet. Unter anderem gab es erste Bilder von Project Sansar und einige Webartikel von dieser Technologiekonferenz.

Ebbe hatte auf der Web Summit aber nicht nur seine eigene Präsentation vorgetragen, sondern er nahm auch an zwei Diskussionsrunden teil. Und eine davon hatte den Titel "Is virtual empathy the ghost in the machine for AI?"

Quelle: Programmplan der Web Summit 2015

Mit "Ghost in the machine" ist normalerweise das Streben der Wissenschaft nach einer künstlichen Intelligenz mit Bewusstsein gemeint. Bei der Diskussion auf der Web Summit ging es aber eher darum, dass mit steigender Anzahl von Teilnehmern in virtuellen Realitäten, auch der persönliche und emotionale Teil eines Menschen immer mehr in diese alternativen Welten verlagert wird. Die Frage in der Diskussionsrunde war nun, ob duch diesen Umstand die Empathie beim Interagieren mit Avataren verloren geht. Also die Fähigkeit, Gedanken, Emotionen und Persönlichkeit einer anderen Person zu erkennen und zu verstehen. Oder wie es zu Beginn von der Moderatorin in der Diskussion so schön formuliert wird: "Gemeinsam allein sein".

Ich übersetze heute mal keine direkten Aussagen, sondern fasse nur grob den Verlauf zusammen.

Neben Ebbe Altberg waren noch Oren Frank (Mitbegründer & CEO von Talkspace), Rana el Kaliouby (Mitbegründer & CSO von Affectiva) und Nathalie Nahai (CEO von The Web Psychologist) an der Runde beteiligt. Die gesamte Diskussion dauert etwas mehr als 35 Minuten. Insgesamt wird zum eigentlichen Thema dann gar nicht so viel gesagt. Aber es gibt sowohl Argumente die für und gegen den Verlust von Empathie sprechen.

Oren Frank erzählt zum Beispiel, dass er erfolgreich Online-Therapiegespräche führt, ohne direkte körperliche Präsenz. Die erzielten Ergebnisse sollen genauso gut sein, wie Therapiegespräche mit direktem Augenkontakt. Rana el Kaliouby berichtet dagegen von ihrer Tochter, die fast nur noch via Smartphones mit ihren Freunden kommuniziert. Und sie sieht darin durchaus einige Gefahren für die Zukunft. Gleichzeitig forscht sie im MIT an Hard- und Software, die zukünftig Emotionen, Ausdruck und Gemütszustand ihrer Nutzer an andere verbundene Geräte übertragen soll. Das beinhaltet Dinge wie Gesichtsausdruck, Erkennen der Stimmung und Erfassen emotionaler Reaktionen des Nutzers.

Nebenbei eine interessante Statistik von Rana el Kaliouby:
In den USA lachen Frauen 40% häufiger als Männer. In Frankreich und Deutschland lachen Frauen dagegen nur 25% häufiger als Männer und in Großbritannien liegen Frauen und Männer gleichauf. Heiterkeit auf Geschlechter bezogen, scheint also irgendwie kulturell bedingt zu sein.

Quelle Web Summit
Ab Minute 17:25 darf dann auch Ebbe zum ersten Mal sprechen. Er beginnt erst einmal mit seiner einstudierten Beschreibung, was Second Life eigentlich ist und was im letzten Jahr alles an Umsätzen gemacht wurde. Dann zählt er auf, welche Leute aus welchen Gründen in SL einloggen. Neben den Kreativen, die virtuelle Dinge bauen und den Kontaktfreudigen, die sich mit anderen austauschen wollen, gibt es eben auch eine ganze Reihe von Leuten mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen. Sie besuchen SL, weil sie dort Dinge tun können, die sie in der physischen Welt nicht hinbekommen. Sei es, weil es körperlich nicht geht, oder auch nur, weil man psychisch ein Problem damit hat, mit realen Menschen in Kontakt zu treten. Jetzt werden sicher einige der Ansicht sein, dass man bei psychischen Störungen doch lieber zum RL-Psychologen gehen sollte. Ich kann aber Ebbes Argumenten durchaus zustimmen, dass in solchen Fällen SL eine Alternative zum Seelenklempner sein kann.

Bezogen auf das Diskussionsthema sagt Ebbe dann, dass man in SL sehr gut Empathie verspüren kann. Durch die Identifikation mit dem Avatar und dem Ausprobieren von neuen Erfahrungen (jemand anderes zu sein, Geschlechtertausch, neue sexuelle Erfahrungen, als Furry unterwegs sein, usw.) würde man sich in diese Rollen einfühlen können. Ebbe sagt, etwas in einer immersiven, virtuellen Welt zu erleben, erhöht die Empathie in Bezug auf das Erlebte. Allerdings bezieht sich das dann eher auf das Einfühlen in eine Situation oder Rolle. Das Erkennen vom Emotionen anderer virtueller Nutzer dürfte ohne Körpersprache weiterhin schwierig bleiben.

Danach gibt es noch ein paar kürzere Aussagen der Teilnehmer und ein paar Fragen aus dem Publikum. Oren Frank sieht trotz aller positiven Argumente auch die Gefahren einer auf sozialen Netzwerken und virtuellen Welten basierenden Gesellschaft. Wir dürfen uns das eigenständige Denken auch in Zukunft nicht von Maschinen und Programmen abnehmen lassen.

Hier kann man sich den Podcast anhören, genauso wie auf der Seite zum Quellenlink:




Quelle: [The Guardian] - Is virtual empathy the ghost in the machine for AI? - Tech Weekly podcast

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