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Donnerstag, 8. August 2013

10 Fragen an: Torben Asp

Heute gibt es bereits die fünfte Ausgabe von Mania Littlethings "10 Fragen an: ..."-Reihe. Sie hatte im letzten Jahr damit begonnen, einige Musiker aus Second Life etwas näher in einem Interview vorzustellen. Dabei richtet sie jeweils 10 Fragen an den (oder die) gewählten Künstler.

Alle bisher geführten Interviews von Mania werden über diesen Link angezeigt. Oder alternativ über den Eintrag "10 Fragen" in der Schlagwortliste etwas weiter unten.


10 Fragen an: Torben Asp  (by Mania)

Wer elektronische Livemusik mag und in Second Life ist, der kommt an Torben Asp nicht vorbei. Ich kenne Torben nun seit über 2 Jahren, und er ist sicherlich einer der nettesten Livekünstler die ich kenne. Es ist also höchste Zeit ihn mal bisschen auszufragen über sein künstlerisches Schaffen :)

Hallo Torben, vielen Dank für die Zustimmung zu diesem Interview :-)

Und es geht schon los!

Ich habe 10 Fragen für dich:

1. Die erste Frage ist fast für alle gleich :-) Du bist jetzt auch schon seit einer langen Zeit in Second Life. Kannst du uns erzählen wie du nach SL gekommen bist und wie es zu der Entscheidung kam dort mit Livemusik aufzutreten?

Im Januar 2007 las ich einen Artikel in meiner Zeitung über einen Angriff von Aktivisten auf die Zentrale eines französischen rechtsextremen Politikers in einer virtuellen Welt namens Second Life. Da war ein Link zu diesem Ort in dem Artikel. Ich folgte ihm und war total erstaunt von den Möglichkeiten die dort geboten wurden.

In den ersten Wochen traf ich viele Menschen aus der ganzen Welt und einem von ihnen erzählte ich von meinem Traum, meine eigene Musik zu machen mit tollen Lichteffekten a lá Jean Michel Jarre, der einer meiner elektronischen Lieblingskomponisten ist. Ich hatte nur noch keine Ahnung wie man so etwas zu tut.

Ich fing an zu einer Menge Live-Konzerte in SL zu gehen und schlug nach, wie man streamt, und plötzlich war ich in einem virtuellen Venue und spielte meine eigene Musik über den Stream.
Also der Hauptgrund für die Entscheidung in SL zu performen war, dass ich einen meiner Träume wahr werden lassen konnte, ohne dafür viel Geld auszugeben ... Musik komponieren ...sie anderen Menschen in einer spektakulären Art und Weise präsentieren.


2. Wenn ich mich recht erinnere, hattest du deine 1000ste Show in Second Life vor einer Weile. Herzlichen Glückwunsch dafür! 1000 ist auf jeden Fall eine respektable Hausnummer die nicht viele Künstler erreichen. Nach mehr als 1000 Konzerten, kannst du dich noch an deine erste Show in SL erinnern? Wie war das? Und was sagst du, wenn du diese Show mit einer von Heute vergleichst?

Danke!
Ja, ich erinnere mich sogar noch sehr gut an mein erstes Konzert.
Als ich in diesem virtuellen Venue saß und für mich selbst so über den Stream dahin spielte, kam eine sehr nette Dame herein. Sie fragte welche Band das ist, die gerade auf dem Stream zu hören ist, und ich sagte ihr dass ich das bin und eine Eigenkomposition spiele. Sie mochte es und sagte sie habe ein Open Mic (Anm.: Open Mic = eine offene Bühne wo jeder frei seine Kunst vortragen kann) am folgenden Freitag und ich sollte kommen und meine Musik präsentieren.

An diesem Freitag war ich wirklich nervös und gespannt darauf wie die Leute reagieren würden, da Eigenkompositionen überhaupt nicht das war, was die Leute in SL gewohnt waren.
Ich hatte 7 Kompositionen für diesen Abend. Ich hatte jede Geschichte dafür auch auf 7 Blatt Papier geschrieben, nur um sicherzustellen, dass alles klappen und gut klingen würde.

Zum Glück hat es den Menschen dort gefallen und ich hatte auch meine erste Buchung von einem anderen virtuellen Venue am selben Abend. Der 19. Oktober 2007 war ein guter Tag für mich.
Heute habe ich eine gewisse Routine bei Konzerten in SL und ich brauche keine Notizen auf Papier und statt 7 Kompositionen habe ich nun 65. Heute bin ich auch viel besser darin, mit den Menschen bei meinen Konzerten zu interagieren. Bei diesem allerersten Freitag war ich mehr darauf konzentriert nicht irgendwelche Fehler zu machen ... da musste die Interaktion mit Menschen erst mal warten.


3. Du hast sicherlich eine Menge Erfahrungen gemacht bei deinen vielen, vielen Shows. Bitte erzähle uns von einer der besten und von einer der schlimmsten Erfahrungen auf einer virtuellen Bühne.

Eine der besten Erfahrungen ist nur eine der besten weil es total lustig ist.... für mich.
Ein Besitzer von einem Venue sandte seine Booking-Managerin, um eine meiner Shows zu hören und es stellte sich heraus, dass sie nicht mochte was sie hörte - was wir nur herausfanden, weil wir nach einer Woche oder so den Besitzer kontaktierten um zu fragen warum wir nichts mehr von ihm gehört hatten. Im gleichen Atemzug erzählte er uns auch, dass die Dame ein Hörproblem hat, hehe – Stell dir vor!

Eine der schlimmsten Erfahrungen war in einer anderen virtuellen Welt. Ich hatte dort ein Konzert zu später Stunde für mich - Mitternacht. Alles wurde vereinbart und abgesprochen mit dem Grid-Event Koordinator, so dass ich alles aufgebaut hatte und bereit war zu gegebener Zeit, wie ich es immer bin. Offenbar gab es einen Wechsel im Management am Tag vor meinem Konzert, so dass niemand etwas davon wusste dass ich da bin, obwohl es eine gridgesponserte Veranstaltung war. Da war ich also ... alles bereit ... ganz allein.
Ich hasse es, wenn Leute die Sache nicht so ernst nehmen wie ich es tue ... und um Mitternacht bin ich sehr ernst ;o)

Die Besitzer haben mir die Gage für die Show danach gegeben, aber es lässt dich darüber nachdenken, ob sie wirklich Live Events auf einem Grid wie diesem haben wollen.


4. Ich bemerkte bei deinen Shows, dass du deine Songs gerne ankündigst mit bestimmten Bildern, die du in die Köpfe der Zuschauer pflanzt..als ob du die Gedanken der Hörer in eine bestimmte Fantasie versetzen willst während sie deinen Song hören. Wie … zum Beispiel "Beim nächsten Lied stellt euch vor, ihr sitzt an einer Bushaltestelle und es regnet" oder ähnliche Dinge. Ist das was du dir schon vorstellst wenn du das Lied komponierst? Wenn ja, was ist zuerst da? Stellst du dir erst ein Bild vor und kreierst dann einen Sound dazu, oder kreierst du einen Sound und schaust dann welche Bilder dir in den Sinn kommen?

Ja und ja ;o) , und ich denke wir können noch ein extra „ja“ dort hinsetzen. Es sind viele Dinge. Manchmal werde ich von einem Ort den ich besuche oder einem Film den ich sah inspiriert. Dann versuche ich das gleiche Gefühl in mir hervorzurufen und es durch meine Musik zu kanalisieren.
Manchmal habe ich einfach angefangen einen Sound auf meinem Keyboard zu spielen und eine Melodie formte sich durch meine Seele, was eine verflixte Sache ist, weil ich dann eine Geschichte die zu dem Gefühl passt kreieren muss, hehe.


5. Ich habe gesehen du warst gerade in Amerika und hast ein par RL Liveshows dort gespielt. Das klingt sehr aufregend! Wie bist du zu dieser Gelegenheit gekommen, und willst du uns ein wenig über deine Abenteuer und Erfahrungen dort berichten? Wie sind die Shows gelaufen und was war der schönste Moment für dich?

Es ist sehr aufregend in den USA zu sein, und da es meine dritte Reise da rüber war, habe ich dort mit vielen wunderbaren Leuten Freundschaft geschlossen, und ich tue mein Bestes sie alle zu besuchen wenn ich dort bin.

Alles begann mit dem Aufbau meines Netzwerks durch Second Life. Dann, als einige meiner Online-Freunde hörten dass ich die Tickets habe, damals im Jahr 2010, machten sie einige RL-Venues für mich klar und bevor ich mich versah, hatte ich mein RL-Debüt auf einer Bühne in Nashville, TN mit meinem guten Freund Tony Gerber (Cypres Rosewood in SL). Eine unglaubliche Erfahrung und Tony und ich haben zusammen Musik gemacht bei all meinen Besuchen in den USA.

Ein weiteres Venue wo ich immer auftrete in den USA ist das „Music Café“ in Hamilton, Ohio. Ich kenne all die Leute dort, also ist es fast wie nach Hause kommen. Bei den letzten 2 Fahrten wurde ich Stammgast an einem dritten Ort und das ist „Miami Events“ das von der der Miami University betrieben wird. Ich weiß es klingt exotisch und alles, aber eigentlich ist die Universität ebenfalls in Hamilton, Ohio.

Nach meinem letzten Konzert bei Miami Events im Mai 2013 kamen zwei süße alte Damen auf mich zu und sagten, dass sie meine Musik wirklich lieben ... sie haben sich nur gefragt wie ich all diese Sounds aus nur einem Keyboard rausbekäme. Ich begann es zu erklären, wurde aber von einer der Damen unterbrochen die sich vornüber beugte und rief: "Whaat??". Vielleicht war sie irgendwie verwandt mit der Bookingmanagerin mit dem Hörproblem, die ich weiter vorne erwähnte ;o)
Bester Moment ... hmm ... wie du dir vorstellen kannst gibt es einige gute Momente auf Reisen wie diesen, aber das allererste Konzert wird immer in meinem Gedächtnis bleiben, weil ich mir selbst beweisen konnte, dass ich meine Musik nach draußen bringen kann und ruhig geblieben bin, auch wenn kleine Fehler passierten .

Das Radio-Interview das ich im Mai 2013 gab für einen regionalen Sender in Cincinnati, war auch ein großartiger Moment für mich und es hat sehr viel Spaß gemacht sowas zu versuchen.



6. Was magst du mehr, virtuelle Shows oder Reallife-Shows? Und warum?

Ich mag beides, weil ich nie in der Lage gewesen wäre auf einer RL Bühne aufzutreten, wenn ich nicht meinen Start in den virtuellen Welten gehabt hätte, und außerdem ..... kann ich Shows in großem Maßstab in SL machen während ich Shorts trage ;o) Aber ich ziehe mich schon richtig an wenn ich eine Video-Show mache.

Die Reallife Shows sind toll weil man die sofortige Reaktion auf die Musik bekommt wenn man den Leuten in die Gesichter und deren Bewegungen sieht, und außerdem muss man nicht 20 Sekunden auf Applaus warten wie in den virtuellen Welten.


7. Wenn ich auf deine Homepage (www.torbenasp.com) schaue, sehe ich das ganz oben „Make People Happy“ geschrieben steht. Ist das dein Beweggrund Musik zu machen, Menschen glücklich zu machen? Oder ist es eher ein willkommener Nebeneffekt des Musikmachens?

Make People Happy! - Music Is The Key! War immer mein Motto seit ich zu komponieren begann und ich versuche zu machen was man als "Gute-Laune" - Musik bezeichnet, mit einer guten Melodie und schönen Akkorden. Ich fühle das, wenn die Menschen erleben wie die Musik zu Ihrer Seele spricht und Ihnen ein warmes Lächeln auf ihre Gesichter zaubert :o)


8. Wer sind deine Lieblingsmusiker in RL und in SL, und mit wem würdest du vielleicht sogar gerne mal zusammen spielen eines Tages?

In SL ist einer meiner Lieblingsmusiker Cypress Rosewood (Tony Gerber, RL) und eine andere die ich bewundere ist Jana Kyomoon (Jan Pulsford, RL).
Wie bereits erwähnt, habe ich schon zusammen mit Tony Gerber auf der Bühne in RL gestanden. Mit Jana würde ich mich auch gerne eines Tages mal treffen.

In RL Ich bin ein großer Fan von Jean Michel Jarre und einige meiner Kompositionen und die groß angelegte Show die ich in SL mache, sind durch seine Shows inspiriert. Ich glaube es ist mir erlaubt diesen Traum zu haben, eines Tages mit ihm zusammen auf einer Bühne zu spielen..... bestimmt würden sogar wir beide Spaß daran haben ;o)


9. Vor einer Weile bist du in einer neueren virtuellen Welt namens "Cloudparty" aufgetreten. Wie hat das funktioniert? Siehst du CloudParty als echte Alternative zu Second Life, und siehst du eine Zukunft für virtuelle Livemusik dort drin?

Ich machte eine Show in CloudParty vor einer Weile, die sowohl Audio also auch Video war, so dass die Leute wählen konnten welche Art von Show sie sehen wollten. Für meinen Teil war es auch, um diese Plattform für meine Shows zu testen und es hat sehr gut geklappt. Die Leute schienen sehr zufrieden, weil es mit dem Video auch die Messlatte für CloudParty ein wenig erhöht wenn es um eine virtuelle Konzerterfahrung geht.

Was mir an CloudParty gefällt ist, dass du die Leute in deine virtuellen Konzerte einladen kannst indem du einfach einen Web-Link postest. Dann werden sie direkt zum Veranstaltungsort gebracht .... Sie müssen nichts herunterladen, weil CloudParty im Browser ausgeführt wird. Sie haben auch schon Ihren Avatar und müssen nicht Stunden damit verbringen weniger lustig auszusehen ;o) ....Obwohl es schon lustig war, so viele Leute in weißen T-Shirts zu sehen hehe.

Ich denke im Laufe der Zeit wird CloudParty eine gute Alternative zu SL werden, aber es ist noch sehr neu und es gibt noch eine Menge Dinge zu tun, wenn sie viele Live-Musik-Events wollen. Dennoch, ich liebe die Idee.


10. Torben, du scheinst ein sehr technikaffine Person sein. Es gibt fast nichts was du noch nicht gemacht hast. Shows in SL und andere virtuelle Welten, Webcamshows via Ustream, Video Treffpunkt, Sogar eine Smartphone-App hast du gemacht hab ich gesehen :-) Was kommt als nächstes? Gibt es noch Neuland für dich zu erforschen? Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Ich versuche viel herumzukommen und ich finde es sehr spannend neue Wege zu finden, um meine Musik zu präsentieren, und für die Zuschauer mich zu sehen. „Hangouts On Air“ ist die neueste Möglichkeit für mich ein Live-Konzert zu machen, und ich habe es am 26. Juli getestet. Das spannende daran ist, dass es mit meinem YouTube-Kanal verbunden ist, so dass praktisch jeder zu meiner Show kommen kann.

Pläne für die Zukunft wären, mehr herauszugehen für RL Konzerte. Ich kann einfach nicht glauben dass ich dafür immer den ganzen Weg in die USA reisen muss. Es muss auch irgendwo in Europa ein Venue geben das keine Angst hätte mich auf deren Bühne zu lassen.

Vielen Dank für das Interview :-)


Torben ist beim Shivers Summerjam am Samstag, 10 August um 22 Uhr live zu sehen!

Weblinks:

Das Interview wurde von Mania Littlething geführt.

Dienstag, 21. Mai 2013

10 Fragen an: Suzan Littlething

Mania Littlething hatte im letzten Jahr damit begonnen, einige Musiker aus Second Life etwas näher vorzustellen. Dabei richtet sie jeweils 10 Fragen in einem Interview an den (oder die) gewählten Künstler. Heute gibt es bereits die vierte Ausgabe mit Sängerin Suzan Littlething.

Alle bisher geführten Interviews von Mania hier im Blog, werden über diesen Link angezeigt. Oder alternativ über den Eintrag "10 Fragen" unter den Schlagworten in der rechten Blogspalte.


10 Fragen an: Suzan Littlething  (by Mania)

Heuer ist es mir eine besondere Freude meine berühmte Nachnamens-Vetterin Suzan Littlething ausfragen zu dürfen. Alleine durch den Namen hat sie bei mir natürlich schon einen Stein im Brett :-) Davon abgesehen macht sie aber auch richtig schöne Musik, und ist in Second Life schon seit langem mit ihrer Gitarre erfolgreich unterwegs. 3 gute Gründe für mich Suzan auf meinen Verhörstuhl zu zerren und ausgiebig zu löchern!

1. Hallo Suzan :-) erst mal find ich es toll das ich jemanden interviewen darf der den selben Nachnamen trägt wie ich. „Littlething“s sind in SL rar gesät und man sieht nicht mehr oft welche. Das bedeutet aber auch dass du, wie ich, bereits ein langes SL auf dem Buckel hast. Dein Ava ist jetzt 5 Jahre und 9 Monate alt (übrigens bist du genau 1 Tag älter als ich, das find ich total lustig). Kannst du mir ein bisschen über deinen Werdegang in Second Life erzählen und wie du deinen Weg nach SL gefunden hast? Was für Stationen hast du so durchlebt in den 5 Jahren, hast du von Anfang an Musik gemacht? 

Hi Mania! Stimmt, man sieht kaum noch Littlethings. So "Oldies" wie uns gibt es leider nicht mehr soooo oft in SL.

Mein Werdegang in SL! Jetzt muss ich aufpassen, dass ich kein Buch schreibe. Mein Anfang in SL war ein bisschen nerdig. Damals war ich noch begeisterter Ubuntu-Linux-User. Und Mark Shuttleworth, der Gründer von Ubuntu, erwähnte damals in seinem Blog SL. Weil, ein Grüppchen Ubuntu-User hatte da eine SL-Gruppe gegründet. Ich wurde sehr neugierig und hab mich dann einfach mal bei Second Life angemeldet. Immerhin war ich gleich fähig die SL-Suche zu verwenden und hab dann auch diese Gruppe gefunden.

Linux und freie Software war dann auch erst mal das Thema meines ersten Jahres in SL. Leider hat sich die Gruppe dann irgendwann zerstritten. Und manche waren auch echte "Jünger" und haben das alles viel zu ernst genommen. Mir allerdings machte SL immer mehr Spaß, völlig unabhängig von dem ganzen Software-Zeugs. Dann veränderten sich die Dinge für mich in SL so langsam. Musik machte ich privat im echten Leben ja doch schon länger. Hatte früher mal in ´ner Band gesungen die sich dann aufgelöst hat. Das Musikmachen hatte ich dann so schleifen lassen.

Aber dann... irgendwann so nach `nem Jahr SL entdeckte ich dann die Livemusik in Second Life! Kann mich ganz genau erinnern wie ich bei meinem ersten Livekonzert war. Das war damals im "Hummingbird Cafe" und der Owner Dimi VanLudwig spielte da live. Ich erinnere mich noch, wie ich nachgefragt habe, ob das denn jetzt wirklich echt live ist. Und dann sprach mich der Typ doch glatt mit Namen an! Ich war beeindruckt! Ich muss schon schmunzeln, wenn ich jetzt so drüber nachdenke.

Ich besuchte dann regelmäßig Livekonzerte in SL. Und irgendwann dachte ich mir so bei mir, das wäre ja vielleicht auch was für mich? Dann würde ich endlich auch wieder aktiv Musik machen, bevor das ganz einschläft! Und irgendwann kam dann tatsächlich auch der erste Auftritt. Glaub, da war ich so knappe 2 Jahre in SL. Mein Equipment war da dann doch noch etwas unbeholfen. Als Mixer hab ich ein uraltes Tascam 4-Spur-Band-Aufnahmegerät missbraucht und zweckentfremdet. Und überhaupt war der erste Auftritt etwas unbeholfen. Aber es war lustig und ich war mir sicher - DAS will ich in SL in Zukunft öfters machen. Und so kam`s dann auch.

Das Interesse an Linux hat bei mir stark nachgelassen, die Linux-Gruppe hat sich auch zerstritten. Und so hab ich eine neue SL-Welt für mich gefunden. Mit Musik machen und hören und natürlich auch bauen und kreativ sein. Und vor allem Spaß haben mit lieben Leuten, rund um den Globus. :-)


2. Was hat sich deiner Meinung nach in SL verändert in den letzten 5 Jahren, und welche Veränderung für den Musiksektor hat das mit sich gezogen?

Uh... gute Frage. SL hat ein bisschen seiner "Unschuld" verloren. Aber so ist das nun eben mal, alles entwickelt sich weiter und wird erwachsen. Linden Lab hat leider auch ab und zu richtig doofe Entscheidungen getroffen in den letzten Jahren. Zum Beispiel die ganzen Education Einrichtungen durch die Erhöhung deren Tier quasi zu vertreiben fand ich richtig besch....

Aber ich will Linden jetzt nicht so schlecht reden, wie das mache gerne tun. Ich finde SL hat sich schon sehr weiterentwickelt. Grafik, Funktionen, alles. Und ich war auch einer der ersten "Fans" vom V2 Viewer. Ja, ehrlich... ich hab mich super schnell dran gewöhnt und konnte dann nie mehr einen V1 nutzen. ;-) Aber ich weiß, die meisten haben da ne andere Meinung.

Was hat sich im Musiksektor verändert. Es verändert sich dauernd was. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie viele Venues ich schon hab kommen und gehen sehen!! Teilweise echt traurig, teilweise aber auch vorauszusehen. Es ändert sich ständig was, wie halt im echten Leben auch. Evtl. konnte man als Musiker früher mehr Geld verdienen, die Venues waren großzügiger mit Gagen. Aber ob man das jetzt wirklich so allgemein sagen kann... keine Ahnung. Da müsstest du die Musiker fragen, die wirklich hier Geld verdienen (müssen). ;-)


3. Du hast sicherlich schon viel erlebt auf SL Bühnen. Daher auch die Frage an dich: Erzähl uns bitte eine von deinen schönsten, und eine von deinen schlimmsten Erlebnissen auf einer SL Bühne.

Ja, hab schon viel erlebt. Ich muss aber trotzdem drüber nachdenken. So richtig negative Ereignisse hatte ich bisher noch fast nicht. Mal ab und an `nen Griefer, weswegen man das Konzert abbrechen musste. Oder mal jemand, der von einer anderen Parcel Beleidigungen rüber schreit, wie Scheiße ich doch bin. Aber das ist echt soooo selten.

Ich würde sagen 98,5% meiner Erlebnisse sind durchweg positiv. Das schönste ist natürlich immer, wenn man von den Leuten hört, dass ihnen meine Musik gefällt. Natürlich finde ich es erhebend wenn jemand meine Stimme lobt. Und wenn jemand dann auch noch meine eigenen Songs lobt, strahle ich übers ganze Gesicht. Weißt schon, so dass fast die obere Hälfte des Kopfes nach hinten klappt... ;-) Aber Scherz beiseite - diese Art von Bestätigung ist eines der schönsten Sachen die ich erleben darf. Huch, ich werde da ja fast Sentimental. Und das tollste dabei ist, dass es Leute von der ganzen Welt sind. Ich meine... wann hat man das in RL schon mal als unbekannter Musiker, dass man Feedback von Leuten aus den US, UK, Italien... gar Australien bekommt! Das ist doch ... echt der Wahnsinn! :-D


4. Du bist bekannt dafür, dass du sehr nah am Publikum bist und dass du viel auf die Zuschauer eingehst und sie in das Geschehen einbeziehst. Auch ich konnte bei deinen Konzerten eine spezielle Publikum-Bühne-Verbindung wahrnehmen. Du lässt keine Distanz zu deinem Publikum aufkommen. Wie wichtig ist für dich die Interaktion mit den Zuschauern, und denkst du dass du dabei etwas anders machst als andere Musiker?

Wie wichtig? Das ist doch mit DAS wichtigste überhaupt! Es ist ein Livekonzert und da kommt doch der Spaß für das Publikum und den Musiker erst richtig durch den direkten Kontakt. Und in RL ist das bei mir genauso - wenn ich auf dem Live-Konzert bin, will ich von dem Künstler unterhalten werden, ich will dass der mit dem Publikum spielt! Nichts langweiliger als ne perfekte Band, die nicht fähig ist ein Wort zwischen den Songs zu sagen. Augenkontakt? Hilfe! Nene... lieber nicht so perfekt, dafür eben LIVE! Ist jedenfalls meine Meinung. Und deswegen versuche ich das als Musiker auch in SL so zu machen. Klar ist das da nicht so einfach wie im RL. Aber es geht. Ich versuche immer dem local Chat zu folgen und dann auch darauf einzugehen, was die Leute sagen. Und natürlich auch zwischen den Songs mal was zu erzählen. Und wenn´s nur "Gschmarri" ist (wie der Franke sagt). Deswegen bin ich auch immer total glücklich, wenn die Leute auch was in den local Chat schreiben. Auf Songs eingehen, oder auf das was ich gerade sage. Dann habe ich die Change zu interagieren ... und es wird sowohl für mich als auch fürs Publikum spaßiger. :-)

Ob ich das jetzt anders mache als andere Musiker müssen die Zuhörer entscheiden.


5. Ich habe während meiner Recherche gesehen dass du auch einen kleinen Shop hast! Das wusste ich vorher gar nicht. Ich hab mir auch gleich ein paar Sneakers bei dir gekauft und find sie richtig gut :-) Mir ist aufgefallen das bei deinen Produkten auffällig viele "Peace"-Symbole zu finden sind. Hast du einen persönlichen Bezug zur Hippie-Bewegung? Oder was hat es damit auf sich?

Ja, ich hab tatsächlich auch einen Kleinen Shop namens "Blackbird Revolution". Und ja, irgendwie hab ich tatsächlich irgendwie ´nen Bezug zur Hippie-Bewegung. Selbst ich bin ja zu jung um das in RL mitbekommen zu haben. Aber ich liebe die Musik der 60ies/70ies einfach unheimlich. Ich bin z.B. ein rieeeeesen Beatles-Fan. Und wer mal auf meinen Konzerten war, wird von mir auch schon viele dieser Songs gehört haben. Und irgendwie mag ich das einfach ... love & peace, freedom... und die wunderschönen Farben und Muster. Wahrscheinlich bin ich zu spät geboren! Und während ich das schreibe, läuft hier im Hintergrund "Give Peace a Change". Ich glaub, ich mach nachher ein paar Räucherstäbchen an! :-PPPPP



6. Ich konnte bei meiner Recherche leider so gut wie gar keine Infos zur privaten Suzan finden. Dabei ist das doch immer das interessanteste! Magst du uns vielleicht ein bisschen über die RL-Suzan erzählen? Was macht sie so im echten Leben? Machst du auch im ersten Leben Musik oder ist das eine Sache die du nur in SL machst?

Hm... also die RL-Suzan... Musik ist mein größtes Hobby, aber ich mache es nicht beruflich. Im Moment mach ich Musik "live" tatsächlich nur in SL und bin fleißig dabei eigene Songs zu schreiben. Ziel ist, tatsächlich mal ein Album aufzunehmen. Und nach ´ner Band werde ich mich auch wieder umsehen. Aber da die richtigen Leute zu finden ist nicht so einfach. Um wirklich Musik zu machen, um damit mein Leben zu bestreiten, bin ich mittlerweile wahrscheinlich eh schon zu alt. Und mein "echter" Beruf ist auch nicht uninteressant genug, um ihn einfach so aufzugeben.

Ich bin im "Internet-Gewerbe" tätig! ;-) Nein, nein, alles jugendfrei! Ich mache Design, Entwicklung und Konzept für mobile Webseiten und Apps.


7. Was für Musik hörst du privat gerne? Und lässt du dich davon bei deinen Originaltiteln beeinflussen?

Wie schon gesagt höre ich gerne Musik der 60ies/70ies. Aber natürlich nicht nur. Ich höre viele Sachen, neues und altes. Rock, Pop, Blues, Folk... ich mag Musik gerne handgemacht und so von innen raus. Mit rein elektronischer Musik und Techno kann ich deshalb fast nie was anfangen. Aber auch da gibt´s Ausnahmen. Musik muss halt schön sein! >.<

Und natürlich beeinflusst mich jede Musik die ich höre wenn ich Songs schreibe. Bewusst oder unbewusst. Ich glaub, das geht jedem Songwriter so.


8. Du machst also Musik, und hast auch einen eigenen Shop und stellst Schmuck her, was machst du denn sonst noch in SL wenn du mal nicht gerade kreativ tätig bist? 

Spaß haben und mit Leuten chatten. Vornehmlich natürlich mit Gilliam, meinem Partner in SL und wunderbarem Freund in RL. Ich liebe es, neue Orte zu sehen und Leute in SL zu treffen. Und ich mache auch leidenschaftlich gerne Fotos in SL. Bisschen rumprobieren mit Licht, Schatten und schönen Posen oder Tänzen.

Und so nebenbei... ich denke, Englisch lesen, sprechen und verstehen habe ich zu 80% in Second Life gelernt. Yep, SL ist wunderbar! :-)


9. Wer sind denn in SL deine Lieblingsmusiker? Mit wem würdest du vielleicht sogar gerne mal zusammen spielen? 

Oh weh... da gibt es so viele wunderbare Musiker in SL. Generell kann ich sagen, dass ich "echte" Musiker mag. Das heißt für mich: keine Backingtracks, der Musiker singt live und spielt live sein Instrument. Alles andere klingt für mich immer nach Karaoke. Scheinbar mögen das viele Zuhörer, aber Geschmäcker sind ja verschieden. Lieblingsmusiker... tja... Dimi VanLudwig war halt mein erstes Mal *schnüff*, das vergisst man nicht! :-DD Und er ist auch toll.

Chris Evermore ist so sweet mit ´nem Samtstimmchen. Mit dem würde ich mal gerne so ne schnulzige Ballade singen, wo jeder dann zum Taschentuch greift! *grins* Aber, da er in den USA lebt wird das schwierig. Und es gibt noch soooo viele gute Musiker (und Musikerinnen, ich verwende die reine männliche Form nur aus Faulheit).

Ich muss mal ne Liste machen und dir zukommen lassen... :-P


10. Und zuletzt noch eine privatere Frage wenn du erlaubst: Ich habe gesehen das du seit mehr als 2 Jahren mit Gilliam verpartnert bist. 2 Jahre sind in SL eine sehr lange Zeit, alle Achtung! Glückwunsch dazu. Was kannst du mir über euch Zwei und eure Partnerschaft erzählen? Und um die private Frage mit einer allgemeineren zu verknüpfen: Wie schätzt du persönlich generell den Wert und die Chancen von Liebesbeziehungen in Second Life bzw. in virtuellen Welten ein?

Oh, oh... keine leichte Frage. Gilliam und ich sind mittlerweile einfach sehr gute Freunde, ein super Team. Wir habe Spaß zusammen und genießen das. Es ist einfach schön jemand in SL zu haben, der dich unterstützt und mag. Ich lass nix auf meinen Gilly kommen! Alles weitere lasse ich jetzt mal im Dunkeln um das ganze interessant zu halten.

Und Liebesbeziehungen in SL... uhhhhh... Liebesbeziehungen... naja, da gibt es so verschiedene Arten. Diejenigen, die das bewusst nur in SL halten, diejenigen, die jeden Monat mit nem/ner anderen/m verpartnert sind. Dann solche wie uns und es gibt tatsächlich auch Paare, die sich in RL zusammengefunden haben und mittlerweile zusammenleben oder sogar verheiratet sind. Kann eben alles passieren, letzteres ist aber doch die Seltenheit. Man sollte nie zu viel erwarten und realistisch bleiben. Das echte Leben geht immer vor, das sollte niemand vergessen. Und auch nicht folgendes:

"Pixels are virtual, feelings are real. Never forget that behind every avatar is a human being."

Love & Peace
Suzan

Wunderschöner Schlusssatz, dem hab ich nichts hinzuzufügen :-) 

Weblinks:

Das Interview wurde geführt von Mania Littlething.

Montag, 4. März 2013

10 Fragen an: A Fallen Mind

Mania Littlething hatte letztes Jahr damit begonnen, einige Musiker aus Second Life etwas näher vorzustellen. Dabei richtet sie jeweils 10 Fragen in einem Interview an die Künstler. Heute gibt es die dritte Ausgabe mit A FALLEN MIND, einer Electro-Rock Band aus Kalifornien.

Wer sich gerne den englischen Originaltext des Interviews durchlesen möchte, findet diesen auf Google Docs. Alle bisher geführten Interviews hier im Blog, gibt es über diesen Link.


10 Fragen an: A Fallen Mind (by Mania)

Jetzt wird es böse. Auf das Interview mit „A FALLEN MIND“ habe ich mich schon lange gefreut. Wenn man die Band kennt und schon mal live gesehen hat, dem ist klar dass dies kein Interview wie andere werden wird. Die Electro-Rock Band aus Kalifornien/USA fällt gerne auf durch eine provokante Bühnenshow, anstößige Äußerungen und derben Humor. Mir war klar dass dies ein Interview der anderen Art werden würde und ich wurde nicht enttäuscht. Ich muss zugeben dass ich bei der Recherche und beim Übersetzen viel lachen, und auch manchmal rot werden musste. Nun also Vorhang auf für Bryce Kain, dem Kopf von A FALLEN MIND:


Hallo Bryce,
danke dass du dem Interview zugestimmt hast :-) Und schon geht’s los, ich habe 10 Fragen an dich:
  1. Ihr betreibt das AFM (A Fallen Mind) Projekt seit 2008, und habt eure erste Liveshow in Second Life im Oktober 2012 gespielt. Würdest du uns bisschen erzählen wie ihr euren Weg von RL zu SL gefunden habt, und wie ihr zu der Entscheidung kamt in einer virtuellen Welt aufzutreten?
Ich war schon oft in Second Life vor einer Dekade oder so. Damals hatte ich keinen Schimmer was ich machte, sowohl virtuell als auch musikalisch. Nach einer Weile kam mein Leben in den Weg und ich musste mich erst mal bisschen aus SL zurückziehen. Ein paar Jahre später, nachdem ich AFM gestartet hatte, schlug mir ein Freund vor in Second Life aufzutreten um ein neues Publikum zu erreichen. Zuerst war ich dieser Idee sehr abgeneigt weil, offen gesagt, SL ein Geldloch ohne Boden sein kann. Du musst schon wissen was du tust in SL und einen Plan des Spiels haben sonst verwettest du deinen Arsch. Aber ich wollte schon lange Liveshows mit A Fallen Mind spielen und es erschien mir als ein guter Startpunkt.

  1. Wenn du RL Shows mit virtuellen Shows vergleichst, wo siehst du die Vorteile und Nachteile?
Ich denke der bedeutenste Vorteil bei Auftritten im Real Life ist, das du dem Publikum Auge in Auge begegnest. Du kannst ein Publikum hochpeitschen und die direkte Begeisterung sehen. Der Nachteil vom Real Life ist, das die Menge mit Bierflaschen nach dir werfen kann wenn sie dich hassen. Und für Second Life: Der Vorteil eine Show in der virtuellen Welt zu spielen ist, das du in deiner Unterwäsche spielen kannst und trotzdem noch bezahlt wirst. Der Nachteil ist, das es 10 Sekunden Zeitverzögerung gibt, das macht die Publikumsinteraktion manchmal bisschen hölzern. Plus das der Sound oft ausfallen kann wegen Grafikproblemen, Lag, und eine Menge anderes Zeug. Ich mache es weiterhin weil ich auf diese Weise Leute erreicht habe die ich vorher auf andere Weise nie erreicht hätte ohne Second Life. Trotz allen Problemen und Nachteilen bringen wir tatsächlich Leute dazu uns zu hören, und haben neue Fans gewonnen. Also ist es das Wert.

  1. In SL tretet ihr mit einer recht heißen und auch provokanten Show auf, zum Beispiel benutzt ihr eine halbnackte Nonne als Stangentänzerin. Tretet ihr so oder so ähnlich auch in RL auf? Und seid ihr jemals dafür angegriffen oder kritisiert worden? Wenn ja, wie geht ihr damit um?
Ich bin ein erwachsener Mann mit Frau und Kind und Rechnungen zu bezahlen. Ich habe keine Zeit mir anderer Leute Beschwerden anzuhören wenn sie sich angegriffen fühlen. Also wenn sich jemand wegen unserer Shows angegriffen fühlt, ist das deren Problem, nicht meins. Solange das für den Clubbesitzer und unser Kernpublikum okay ist, schere ich mich nicht darum. Ich werde nicht A Fallen Mind zurechtschneidern nur um jeden glücklich zu machen.

Im Real Life haben wir noch keine Show gespielt. Tatsächlich bereiten wir uns gerade darauf vor eine RL Show in Los Angeles zu spielen im kommenden Mai, im „The Black Castle“, mit unserem guten Freund Reverend Steven Layba und einigen seiner befreundeten Bands. Das wird spaßig, allerdings weiß ich nicht ob unsere Tänzerin ein Nonnenkostüm tragen wird. Jetzt wo ich so drüber nachdenke, ich werde sie mal fragen *grinst*. Aber was du in SL siehst ist im Grunde das was du auch in RL geboten kriegst. Eine Tänzerin, jemand an den Keyboards und Geräten im Hintergrund, und mich meinen Mund aufreißen. Wir machen Elektro-Rock und all unsere Musik ist auf Sequenzern und Maschinen, also gibt es nicht viel Band. Aber wir füllen die Bühne mit einem Tänzer oder zwei.

  1. Ich habe gesehen dass ihr außerdem einen Club in SL betreibt. Er heißt „Church of Sodomy“ (Anm.: Sodomy steht im englischen für Analsex, im Gegensatz zum deutschen Ausdruck). Würdest du uns ein bisschen über das Konzept des Clubs erzählen und was für Events ihr dort plant?
Ziemlich lange Geschichte. Aber die Church of Sodomy war eine Idee die ich schon vor einigen Jahren hatte. Offen gesagt hab ich sie mir einfach aus dem Arsch geleiert - Achtung Wortspiel. Es gibt eine Menge Kirchen da draußen die einer Menge Religionen und Glaubensrichtungen gewidmet sind: Christentum, Buddhismus, Scientology, Jedi, dem Spaghetti Monster etc.. Aber nichts für Posex. Also hab ich mir gedacht, „Das wäre die perfekte Kirche für mich!“. Eine Menge Christen, Juden, und andere Kirchen scheinen die Idee zu hassen sich gegenseitig in den hintern zu vögeln. Aber du weißt dass es jeder macht, hinter geschlossenen Türen. Also dachte ich mir, wenn es einvernehmlich zwischen zwei erwachsenen Menschen passiert, wo ist das Problem? Schwul, Hetero, was auch immer – bei unserer „Kirche“ ist die Idee, etwas zu zelebrieren, das Menschen schon seit Jahrtausenden machen, aber offen sagend „Hey! Es ist OK da hinten rumzuschupsen!“

Und wie es ein Club in SL wurde: Als wir angefangen haben Shows in Second Life zu spielen kam es gelegentlich vor das eine Show gecancelt wurde und wir keinen Platz zum Auftreten hatten, aber unseren Fans schon erzählt hatten das wir spielen werden. Ich dachte an meine Erfahrungen in SL in der Vergangenheit und entschied, mich mal an einem Club zu versuchen. Und beim Entscheiden über den Namen, kam mir die Church of Sodomy wieder in den Kopf. Ich wollte schon immer irgendetwas mit diesem Namen machen, wusste nur nie was. Der Name hat sich festgehängt und wir sind dann dabei geblieben.

Die „Kirche“ dreht sich um die Idee offen und frei mit anderen Erwachsenen umzugehen, aber primär ist es ein Rock und Heavy Metal Club. Wir sind auf „moderatem“ Land, also müssen wir die Dinge ziemlich sauber halten. Also keine Nacktheit, kein Sex, etc. Aber wir haben immer noch das Motiv, und das macht Spaß.

Jetzt gerade konzentrieren wir uns darauf mit der „Kirche“ durchzustarten. A Fallen Mind hat eine Show dort gespielt und wir haben dort ein oder zweimal geprobt. Wir hatten eine andere Nacht einen DJ und haben ein paar andere DJ´s und Tänzer eingestellt. Wir schauen jetzt einfach mal wie weit wir damit gehen können bevor wir von SL wieder verschluckt werden. Ich habe nicht die Illusion dass wir ein großartiger SL Club werden. Ich wäre überrascht wenn wir am Ende des Jahres immer noch da sind. Aber wenn mich was im Hintern juckt zu tun dann renne ich gerne mit dem Kopf durch die Wand.

  1. Wenn ich mir eure Arbeit anschaue, mitunter eure Shows, eure Website und euren Club, fällt mir auf, dass ihr gerne mit Blasphemie spielt und Kritik an der Kirche und am Christentum übt. Macht ihr das als provokanten Showeffekt, einfach nur zum Spaß, oder gibt es da eine echte Botschaft und/oder Erfahrung dahinter? Würdest du uns was darüber erzählen?
Die Mehrzahl der Christen sind verklemmte Ärsche. Ich bin zwischen einer Menge Christen aufgewachsen die mir als Kind das Hirn verdreht haben. Also war meine Reaktion zu vielem von dem Mist den Mittelfinger zu heben. Früher war ich total rebellisch gegen Christen und das Christentum. Heute mag ich es einfach, mich über das Christentum und seine Absurditäten lustig zu machen. Weil, seien wir mal ehrlich, das Christentum und andere Gottesbezogenen Religionen sind genauso Folklore wie die griechische Mythologie und intellektuell extrem unverständlich.

Die christliche Bibel wurde vor tausenden von Jahren geschrieben, und übernommen von Leuten die eine mittelalterliche Weltanschauung hatten und dachten die Erde wäre eine Scheibe. Nimm diese Standpunkte und übersetze sie wieder und wieder und wieder von einer Sprache zur anderen und dann zur nächsten, und dann kriegst du was wir heute haben. Und diese Übersetzungen waren handgeschrieben, also kommt noch Verzerrung und Befangenheit hinzu. Lass hier einen Teil weg, füge woanders was hinzu, und was übrig bleibt ist einfach nur Wahnsinn in gedruckter Form.

Wenn jemand die Bibel von vorne bis hinten durchlesen würde, ohne zu wissen das es eine Religion ist, würde er zu der Annahme kommen das es nur ein Stapel gesammelter Geschichten und Gedanken ist, die zu einem Kompendium voll Mist zusammengeschmissen wurden. Wenn du demjenigen dann erzählen würdest dass es Leute gibt, die tatsächlich an die wörtliche Übersetzung des Buches glauben, würde er dich ansehen als wärst du durchgeknallt.

Aber geh nicht nach meinen Worten. Lies es. Eine sprechende Schlange? Frauen die Tieropfer bringen müssen nachdem sie ihre Periode hatten? Vergewaltiger werden gezwungen ihr Opfer zu heiraten? Es ist alles da drin und noch mehr. Es ist ein geisteskrankes Buch.

Also ja, ein Teil davon ist wirklich eine Botschaft. Das Christentum ist geisteskrank. Verdammt, so ziemlich alle Religionen sind geisteskrank. Der Rest davon ist einfach nur zum Spaß. Und der Kicher-Faktor wächst und wächst mit jeder dieser Personen die irgendwas von dem Mist ernst nehmen.

  1. Wie arbeitet ihr beide zusammen? Komponiert und entwickelt ihr die Musik und die Texte zusammen? Oder hat jeder von euch so seine „Abteilung“ an der er arbeitet?
Ich habe Jessica erst getroffen nachdem ich AFM gestartet habe. Also habe ich das meiste selber gemacht. Mit der Zeit hat sich Jessica immer mehr in die Sachen integriert. Ich versuche sie zu ermutigen mehr und mehr Sachen zu übernehmen, so dass sie sich ausdrücken kann und mit mir Spaß daran haben kann.

Außerdem verjagt sie meine Groupies. Was ok für mich ist, weil die meisten davon eh nur Crackhuren und Senioren sind.

  1. Jessica und Bryce, ihr seid ein verheiratetes Paar im RL. Es ist irgendwie süß Fotos von euch beiden zusammen zu sehen, es sieht mir nach einer großen Liebe aus wie ihr miteinander umgeht. Würdest du mir erzählen wie ihr euch kennen gelernt habt und ein Paar geworden seid?
Als Jessi und ich uns getroffen haben, haben wir schnell erkannt dass wir beide das gemeinsame Interesse haben uns mit Leuten anzulegen und anstößige Witze zu reißen. Außerdem hat sie mir einen wahnsinns Blowjob gegeben. Also hab ich die Zicke geheiratet.

  1. Ihr seid ein verheiratetes Paar und beide in A Fallen Mind involviert. Wie weit beeinflusst das euer Familienleben? Gibt es eine Art von Unterteilung zwischen Band und Familie?
Das kommt wirklich auf den Tag an. Wir geben unser Bestes da eine Balance zu halten, aber das geht niemals zu 100%. Wir versuchen es einfach so gut wie es geht und mit gesundem Menschenverstand.

  1. Ich habe gelesen, dass ihr schon mit großen Namen zusammen gearbeitet habt. Ich las zum Beispiel „Slipknot“, „Nine Inch Nails“ und „Ministry“. Kannst du mir etwas über diese Kooperationen erzählen und wie sie zustande kamen?
Mit Slipknot wurden wir nur verglichen, aber wir haben mit NIN und Ministry gearbeitet. Wir hatten die Gelegenheit, mit Einverständnis, den Nine Inch Nails Song „The Hand that Feeds“ zu remixen, also habe ich mich drauf gestürzt. Es hat Spaß gemacht, gehört aber nicht zu meinen besten Arbeiten. Auch hatten wir die Gelegenheit mit Ministry zu arbeiten und was rauskam war ein ultra-abgefucktes Weihnachtslied mit dem Titel „A Hell of Christmas“, den ihr auf Itunes kriegen könnt. Ihr könnt fast alle unsere Songs auf Itunes bekommen, außer unseren Coversongs. Diese verteilen wir kostenlos auf unserer Homepage www.AFallenMind.com.

  1. Welche Musik hört ihr euch privat an, und wie weit beeinflusst das eure Arbeit mit A Fallen Mind?
Ich höre mir alles Mögliche an. Jessi ist mehr elektronisch als ich was Musik angeht. Ich bleibe für gewöhnlich in der generellen Richtung von Disturbed, Rob Zombie, Manson, Nine Inch Nails, Rammstein etc. Gelegentlich höre ich mir auch was ganz anderes an, wie Sarah McLachlan, aber der Kram deprimiert mich wie sonst was. Also hör ich mir das nur an wenn ich mich in Stimmung für einen langsamen Song bringen will.

Obwohl, ich werde noch etwas zugeben. Ich habe bemerkt, seit ich bisschen älter bin, werde ich weniger anspruchsvoll was Musik angeht. Vor kurzem hab ich angefangen Thrift Shop von Macklmoore zu hören, und ich höre sonst kein bisschen Rap. Aber bei dem Song lache ich mich kaputt. Genauso wie Gangnam Style von Psy. Ich vermute das könnte man heimliches Laster nennen, aber ich schäme mich nicht dafür. Die sind einfach eingängig wie sonst was.

Danke für das tolle Interview, Bryce! Es hat mir wirklich großen Spaß gemacht und ich freu mich drauf, euch bald wieder live zu erleben :-)
A Fallen Mind kann am 15. März 2013, um 21 Uhr LIVE im Shivers HQ auf Scaccomatto erlebt werden.
http://maps.secondlife.com/secondlife/SCACCOMATTO/177/166/22

Weblinks:

Das Interview wurde geführt von Mania Littlething.

Montag, 26. November 2012

10 Fragen an: Paris Obscur

Vor ein paar Wochen habe ich hier im Blog ein Interview mit Aminius Writer gepostet, das von Mania Littlething geführt wurde. Dies war gleichzeitig der Auftakt zu einer kleinen Interviewreihe, bei der Mania einige Musiker etwas näher vorstellen möchte und jeweils 10 Fragen an den oder die Interviewpartner richtet.

Das erste Interview war sowohl von den Rückmeldungen, als auch von der Anzahl der Seitenaufrufe recht positiv und deshalb gibt es heute die zweite Ausgabe mit:


10 Fragen an: Paris Obscur (by Mania)

Einer der wenigen, wenn nicht gar der einzige Livemusik-Vertreter der Gothic-Szene in Second Life ist der französische Künstler JonathanDimitri Soderstrom, der unter dem Namen „Paris Obscur“ seit ca. einem Jahr auftritt und sich immer größerer Beliebtheit erfreut. Ohne Zweifel ein Ausnahmekünstler in SL, und damit Grund genug von mir ausgiebig befragt zu werden. Jonathan zeigte sich als ein sehr aufgeschlossener und sympathischer Interviewpartner, und damit kann ich euch nun mit Freude „10 Fragen an Paris Obscur“ präsentieren:

1. Hallo Jonathan, danke das du dich bereit erklärt hast mir ein paar Fragen zu beantworten :) Als erstes, würdest du mir erzählen wie du nach SL gekommen bist und wie es dazu kam das du mit deiner Musik auftrittst?

Hallo Mania! :-) Ich bin jetzt in SL seit mehr als 5 Jahren. Ich hatte viele verschiedene zweite Leben und ca. vor einem Jahr entschloss ich mich mit meiner Musik einen ernsthaften Versuch zu starten.

Ich habe zwar langjährige RL-Bühnenerfahrung als Pianist und Schlagzeuger, aber nicht als Sänger. Und naja, das ist wirklich etwas völlig anderes! Ich musste besser werden, an meinen Techniken arbeiten (und neue entwickeln!), Selbstvertrauen entwickeln, eine Fanbase aufbauen… Auch habe ich ein sehr gefülltes RL, und das jedes Mal ein ganzer Tag drauf geht für 1 Stunde Liveauftritt war mir dann zu viel. Wegen all dieser Gründe war SL für mich eine tolle Möglichkeit meine „Karriere“ zu starten.

2. Ich weiß bereits das Paris Obscur nicht dein erstes und einziges musikalisches Projekt ist. Ich habe dich zum Beispiel mal in einer Hardcore Band Schlagzeug spielen gehört. Kannst du uns ein bisschen über deine früheren Projekte erzählen, und betreibst du momentan neben Paris Obscur noch andere Projekte? 
 
Hahaha, Ich poste manchmal unerwartete Sachen auf meiner Facebook Seite :-) Was Musik betrifft, habe ich mit 6 Jahren angefangen Klavier zu spielen und mit 18 dann Schlagzeug. Als Schlagzeuger habe ich in verschiedenen Bands gespielt, von Pop/Rock bis Hardcore, über Power Rock, Metal oder Jazz. Ich hatte das Glück manchmal in echt tollen Venues zu spielen, manchmal vor mehr als 1000 Leuten. Das war eine fantastische Erfahrung. Als Pianist bin ich manchmal mit meiner Theatergruppe aufgetreten und mit einem lyrischen Sänger.

Aber das ist alles so lange her, und macht mich nicht wirklich jünger!

Neben meiner Mitarbeit an verschiedenen Bands schreibe ich bereits „Paris Obscurische Musik“ seit mehr als 14 Jahren. Ich hab sie nur ganz einfach für mich behalten.

Derzeit, was Kunst anbelangt, konzentriere ich mich auf Paris Obscur und bereite meine „1-Mann Show“ vor (wie hochgestochen das klingt *lacht*).

Neben Paris Obscur bin ich ein professioneller Komponist für die Werbeindustrie.

3. Soweit ich weiß lebst du nicht in Paris. Warum also der Name „Paris Obscur“ ?

Paris Obscur ist Vieles. Es ist ein Teil von mir und das Projekt an sich. Es ist weniger als „mein ganzes Ich“, aber es ist mehr als „nur ich“. Paris Obscur beinhaltet für mich auch die Hilfe von Freunden die mir helfen und mich unterstützen. Ich habe den Namen „Paris Obscur“ als Ehrung an einen engen Freund von mir gewählt. Er hat mich sehr ermutigt mehr Musik zu schreiben und hat mich unterstützt. Und er hat mich einen Teil von Paris entdecken lassen den ich vorher nicht gekannt hatte. Nicht das Paris für Touristen, sondern ein.. obskures Paris. Und daher kommt der Name.

4. Mit deinem Paris Obscur-Projekt hast du etwas erschaffen das du selbst einmal „Dark Universe“, dunkles Universum, genannt hast. In deinen Texten singst du zum Beispiel über die dunklen Seiten der menschlichen Seele und die dunklen Seiten der Liebe. Auch hast du Gemälde mit diesem Thema gemalt. Kannst du uns erzählen was dieses „Dark Universe“ für dich bedeutet und was dich dazu inspiriert? Singst du über dein eigenes Wesen und über deine eigenen Gefühle, also autobiografisch?

Das ist eine knifflige Frage. Eine gute, aber nicht so einfach zu beantworten. Ich mache einfach was rauskommt. Es könnte nicht simpler sein es zu erleben, aber es ist nicht einfach zu erklären. Ich lege einfach meine Hand aufs Klavier, und entweder es kommt etwas raus oder es kommt nichts raus. Wenn es nichts ist, dann versuche ich es am nächsten Tag nochmal. Und so weiter. Das Resultat ist dunkel, ja. Ich habe mich selbst eine Zeit lang gefragt warum es so düster ist. Ich meine.. ich bin ein glücklicher Mann im Alltag. Ich habe eine Menge Freunde um mich herum, Familie, ich liebe es zu lachen, Spaß zu haben, ich liebe es zu essen, zu trinken, schöne Momente mit meinen lieben zu verbringen, ich mache die ganze Zeit Witze. Also warum? Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung. Es ist einfach so. Mein Ergebnis ist, das ich nicht wissen muss warum das so ist, um es trotzdem zu tun.

Was die Texte betrifft, ich erzähle eine lange und komplexe Geschichte durch viele verschiedene Figuren. Was mich hier interessiert ist, wie Menschen mit ihrer dunklen Seite umgehen. Die Fans der Fernsehserie „Dexter“ würden es „dunkler Passagier“ nennen. Ich denke wir alle (oder die meisten von uns) haben Finsternis in uns. Wie drücken wir sie aus? Wann ergeben wir uns ihr? Wann gewinnt Finsternis gegen das Licht? Ich bewerte niemanden in meiner Arbeit. Ich nehme euch nicht die ganze Arbeit ab, meine Songs sind nicht das Fernsehen. Wenn du meinen Songs zuhörst, musst du selber darüber nachdenken was akzeptabel ist und was nicht. Und wenn es nicht akzeptabel ist, kann man es trotzdem vergeben? Diesbezüglich gibt es Theorie und Praxis. Eine Menge Leute würden in der Theorie vergeben. Aber was wenn es DEINE Tochter/Frau/Mutter ist die vergewaltigt wurde? Was würdest du tun? Vergeben? Oder zu einem Monster werden, ein Biest, das Rache will? Ich nenne es „zum Biest werden“ aber… ist es nicht auch ein Teil des Begriffs „Mensch sein“? Das alles interessiert mich wirklich sehr.

RL-Photo by:  Sekou N'Diaye – Graphoscope
5. Was für Musik hörst du privat, und wie viel lässt du dich davon inspirieren und beeinflussen?

Ich höre ein sehr weites Musik-Spektrum. Klassisch, zeitgenössisch, Rock, Funk, Metal, Electro, Hip Hop, in fast jeder Musikrichtung wird es einen Künstler geben den ich liebe.

Meine Lieblingsbands für alle Zeiten sind: The Velvet Underground, David Bowie, The Doors, Radiohead, The Cure, Depeche Mode, Prince, Sonic Youth, Barry White… 
 
Auch liebe ich französische Künstler wie Tellier, Gainsbourg, Air, Biolay…

Ich denke ich lasse mich viel von der Musik aus den 60ern und 70ern beeinflussen, in der Art wie sie populäre Musik redefiniert hat. Die haben ihrer Kreativität keine Grenzen gesetzt. Ich versuche das Selbe: Alle meine Einflüsse zu vermischen, einen Gothic Song gleich nach einem sehr bluesigen Song zu singen. Ich will mir die Freiheit bewahren zu singen und zu schreiben was ich möchte.

6. Ich habe gerade einen Beatles-Coversong von dir gehört, „love me do“. Ich finde es ist eine sehr interessante Interpretation, einen Beatles Song so düster zu spielen. Wie bist du auf die Idee gekommen diesen Song zu machen, und existieren noch mehr Coversongs von dir oder sind noch mehr geplant?

Ich habe von einem Wettbewerb namens „Become a Beatle“ (werde ein Beatle) auf einer Facebook-Seite gelesen. Ich mag diesen Song von den Beatles nicht sonderlich („Love me do“), ich bevorzuge Norvegian Woods oder Eleanor Rigby, aber ich habe gefühlt das es interessant wäre diesen Song zu covern. Die Originalversion ist sehr leichtfüßig und freudig. Ich legte meine Hände aufs Klavier und… da war es. Ein tiefer, schmerzvoller Song über Liebe. Ich veränderte alles außer dem Text: Das Tempo, die Akkorde, die Instrumente, die Gesangslinie. Es ist eine völlig andere Version.

Wo wir gerade davon sprechen, wenn ihr euch das Lied mal anhören wollt und Lust habt für mein Video zu voten:

Ich habe im Moment nur einen anderen Coversong, den ich in der Tat nur sehr selten spiele. Es ist das Lied „The Partisan“ von Leonard Cohen.

Ich plane sonst keine weiteren Covers, aber naja, vielleicht mach ich noch welche wenn ich interessante Wettbewerbe sehe :-)

7. Was ist für dich der Reiz an Konzerten in einer virtuellen Umgebung?

Eine Sache ist wirklich cool an Konzerten in SL: Du hast die Namen von den Leuten die zu deiner Show kommen. Das macht es möglich sich mit den Leuten aus dem Publikum zu unterhalten nach der Show. Viele würden sich gerne mit dem auftretenden Künstler unterhalten, trauen sich aber nicht. Also gehe ich direkt auf die Leute zu und starte eine Unterhaltung wenn ich sehe dass jemandem meine Show besonders gut gefallen hat.

Eine weitere tolle Sache ist dass das Publikum aus der ganzen Welt kommt. Ich habe Fans aus Frankreich, Deutschland, England, USA, Kanada, Brasilien, Neu Seeland..

8. Was war die beste, oder die schlimmste Erfahrung die du jemals auf einer Bühne in SL gemacht hast?

Die beste? Hmmmmh… kann ich keine raus greifen. Ich habe viele wundervolle Momente auf der Bühne in SL. Ich liebe es wenn das Publikum sehr gesprächig ist, sogar während der Songs. Ich ermutige sie dazu. Und das passiert ziemlich oft, dann bin ich ein glücklicher Perfomer :-) Es gibt ein paar Venues wo ich auftrete, die ich absolut liebe, und ich würde gerne ihre Namen nennen, weil sie einen fantastischen Job machen und es verdienen besucht zu werden. In loser Reihenfolge: Cat Boucher´s Musik Circus, Vincents Music Palette, Peter´s Blue Angel, Led Zepppelin´s, Templemore… Auch war ich sehr beeindruckt von einem Festival das hier organisiert wurde, sehr professionell, fantastische Künstler, großartiges Publikum, Ich weiß nicht ob du davon gehört hast, es nennt sich Shivers Unleashed Festival ;)

Oh und, durch mein Universum habe ich außerdem die Gelegenheit an manchen Orten aufzutreten die ursprünglich nicht für Livemusik gedacht sind, wie manche Vampirclans. Einer den ich besonders liebe ist „Les Morrigans“. Es ist eine Ehre für mich, das Tornade mich in ihrem Clan akzeptiert, obwohl ich nicht am Bloodline Rollenspiel teilnehme. Sie hat dort auch eine tolle Kunstgallerie.

Was schlechte Erfahrungen angeht, ich kann mich an ein paar erinnern. Diesmal werde ich keine Namen nennen, weil man die lieber vergessen als bewerben sollte :-) Einmal, trat ich an einem Ort auf wo die einzigen Worte die während der ganzen Stunde im Localchat gesagt wurden „es ist nett“ waren. Ich hatte tips, Leute, aber keine Chatgespräche. Es ist wirklich nichts was ich nochmal erleben möchte. Ich hätte lieber keine tips und dafür viel Chat :-)

Ein anderes Mal wollte der Besitzer des Clubs keine Gestures und großen Textblöcke im Chat. Was darin resultierte das einer meiner Fans der mich am meisten unterstützt sowie meine Managerin gebannt wurden. Ich habe die Show fertig gespielt, aus Respekt vor dem verbleibenden Publikum, aber natürlich bin ich nie wieder dorthin gegangen.

9. Was machst du so in SL wenn du gerade keine Konzerte gibst?

Die meiste Zeit parke ich meinen Avatar bei mir zuhause und chatte mit Freunden und Fans. Ich LIEBE es mit meinen Fans zu reden, herauszufinden wer sie sind, warum sie mögen was ich tue, sie in RL zu treffen.

Auch lasse ich manche engen Freunde und Fans hören an was ich gerade arbeite und frage sie nach ihrer Meinung.

10. Wer ist dein Lieblingskünstler innerhalb SL?

Es gibt ein paar Künstler in SL die ich mir gerne anhöre, wie Jordan Reyne, David Perdu, und so viele andere. Ich gehe nicht viel aus, aber wenn, ist es immer ein Genuss Tip Corbett zu hören. Er ist ein absolutes „Muss“ für alle Klavier-Liebhaber.

Neben seinem Talent ist er auch ein sehr netter Mensch mit dem ich mich gerne unterhalte. Er ist auch der Künstler dem ich bisher am meisten getippt habe. Ich war überwältigt von seinem Set. Er ist mein absoluter Lieblingskünstler in SL.

Danke für das tolle Interview, Jon! Paris Obscur ist am Dienstag, 11. Dezember um 22 Uhr im Shivers Hauptquartier auf Scaccomatto live zu sehen: 
http://maps.secondlife.com/secondlife/SCACCOMATTO/177/166/22


Weblinks:

Freitag, 2. November 2012

10 Fragen an: Aminius Writer

Mania Littlething hat unter ihrem Event Label Shivers Productions in Second Life schon viele Veranstaltungen mit Live Musik organisiert. Nun möchte sie mit einer Interviewreihe einige Musiker etwas näher vorstellen und richtet dazu jeweils 10 Fragen an den oder die Interviewpartner. Gestartet wird die Reihe mit Aminius Writer, der am Samstag auch auf der Shivers In-Tense Veranstaltung auftreten wird (Flyer siehe am Ende des Beitrags).

Mania hat mich gefragt, ob ich das Interview auch bei mir im Blog veröffentlichen möchte. Da ich selbst gerne Live Konzerte in SL besuche, habe ich nicht lange überlegt und deshalb gibt es jetzt:

10 Fragen an: Aminius Writer (by Mania)
Hallo allerseits. Neugieriges Wesen das ich bin, habe ich einen neuen Plan geschmiedet um meine immerwährende Neugier zu befriedigen. Und zwar werde ich eine Interviewreihe starten, in der ich mir verschiedene SL-Musiker vorknöpfe und sie ausgiebig mit Fragen löchere. Mein erstes Opfer habe ich bereits gefunden: Bei mir ist Aminius Writer, ein deutscher Livemusiker der mit seiner akustischen Musik bereits einen großen Bekanntheitsgrad erlangt hat.
1. Hallo Aminius, danke das du dich für mein erstes Interview zur Verfügung stellst. Wie lange machst du schon Musik in SL?
Ganz genau kann ich das nicht sagen, aber laut meiner Facebook-Seite war das erste eingetragene SL Konzert im Januar 2011. Davor habe ich ca. ein halbes Jahr schon in SL gesungen. Ergo ca. 2,5 Jahre denke ich.
2. Wie kamst du dazu in SL Musik zu machen? Was war zuerst da, SL oder die Gitarre?
Die Musik war definitiv zuerst da. Eine damalige SL Freundin erzählte mir von SL Live Konzerten. Aus einer Laune heraus habe ich ihr dann was vorgesungen. Monate später traf ich dann Mats Milev, ein SL Musiker aus Luxemburg. Ich durfte in seiner damaligen "Acoustic Lounge" dann das erste mal offiziell in SL auftreten.
3. Machst du außerhalb von SL auch Musik? wenn ja, auch Solo oder spielst du in einer Band?
Außerhalb SL ja, aber nur unter der Dusche oder mit meiner Gitarre in meinem Wohnungsflur (dort ist eine tolle Akustik) :)
In einer Band habe ich vor sehr langer Zeit gespielt, leider ist das irgendwann auseinander gegangen.
Aber im Januar 2013 werde ich mich mit einigen SL Musikern auf dem "German Jam" treffen, um dort mit ihnen 3 Tage lang zu musizieren. Auch Gäste sind herzlich eingeladen uns dort zu besuchen. Das wird sicher eine ganz tolle Sache.
4. Was für Musik hörst du privat, und wie sehr lässt du dich davon beeinflussen/inspirieren?
Ich lasse mich sehr davon beeinflussen, definitiv. Die Stücke die ich auf meine Art covere, stammen eigentlich hauptsächlich von meinen Lieblingsmusikern.Bryan Adams, Damien Rice, Oasis (Noel Gallagher), The Verve (Richard Ashcroft), Kings of Leon, Radiohead, Foo Fighters ... ach da gibt es so viele :)
5. Was ist für dich der Reiz an Konzerten in einer virtuellen Umgebung?
Zum einen ist es schön, viele Leute aus verschiedenen Ländern zu erreichen, sich mit anderen Musikern auszutauschen und, egal wo man singt, man fühlt sich immer daheim :)
Auf der anderen Seite ist die Resonanz in der virtuellen Welt sehr ehrlich und man bekommt viel Feedback. Auch Kritik, aber immer wieder in einer netten und offenen Art und Weise.
6. Was war für dich das schönste Erlebnis das du auf einer SL-Bühne bisher erlebt hast?
Ich hatte damals mehr oder weniger aus Spaß ein Original-Lied eines anderen SL Musikers (Guy Noel - Mats Milev) gecovert. Mats stand vor der Bühne und tippte. Ich las nur "Oh, das ist ein schöner Song". Danach war Stille.
Und wieder fing er an zu tippen: "Ey, Moment...das ist ja mein Lied". Er hatte sich sehr gefreut sein eigenes Lied in einer anderen Interpretation zu hören. Das sind die Momente die ich persönlich auch sehr liebe, wenn unerwartet etwas geschieht und dir ein Lächeln oder auch mal eine Träne auf dein Gesicht zaubert.
Ich liebe es auch immer wieder zu sehen, wie die Zuhörer Spaß haben wenn man mal den Text ändert und Sachen aufgreift, über die sie vor der SL Bühne reden … (lacht) da sind schon die ein oder anderen lustigen Sachen entstanden.
7. Was war das schlimmste?
Hmmm da fällt mir spontan nichts ein, außer die üblichen Griefer oder Miesepeter ...aber die gibt es überall, davon sollten wir uns nicht abschrecken lassen.
8. Du bist einer der wenigen Vertreter aus Deutschland in der SL Musikszene. Deutsche Musiker sind mehr oder weniger eine Rarität in SL, woran glaubst du liegt das?
Ja das ist schade, aber ich entdecke immer wieder neue Musiker aus Deutschland in SL. Irgendwo gibt es sie doch. aber wo?
Woran es aber liegt, dass es relativ gesehen wenige sind, weiß ich leider auch nicht.


9. Wer ist dein Lieblingsmusiker in SL?
Twinghost, Amforte (Anm.: Clarity), Mats Milev, Terry Lynn...
und nicht zu vergessen nach der Frage zu den deutschen Musikern:
Lani Aboma, Mike Carnell ... es gibt sie doch (grinst)
10. Mit wem würdest du am liebsten mal zusammen spielen? (RL und SL)
Mit den oben genannten Lieblingsmusikern und einigen mehr, aber leider ist das technisch gar nicht so einfach. Aber ich sollte das mal in Angriff nehmen und probieren. Auf dem "German Jam" werde ich erst mal mit einigen SL Musikern zusammen spielen, wie zum Beispiel: Mash Rhode, Mike Carnell, Lani Aboma, Wolem Wobbid, Gabryel Nyoki und Oldwolf Criss ... ich bin schon jetzt gespannt.
Danke für das tolle Interview und deine Zeit, Aminus
Danke!
Hinweis: Aminius Writer ist am Samstag, 3. November um 20 Uhr beim „Shivers In-Tense“ Event auf Scaccomatto zu sehen.
Das Interview führte Mania Muircastle (Mania Littlething)