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Sonntag, 28. Februar 2021

Philip Rosedale im Chat mit Reddit Nutzern

Quelle: Philip Rosedale/Twitter

Am Dienstag, den 23. Februar von 11 bis 14 Uhr PST hat Philip Rosedale, der Gründer von Linden Lab und Second Life, eine "Ask Me Anything"-Session auf Reddit durchgeführt. Ask Me Anything bedeutet nichts anderes als "fragt mich was ihr wollt".

Schwerpunktmäßig sollten sich die Fragen aber um immersives räumliches Audio, VR, virtuelle Welten, 3D-Räume und Avatare drehen.

Es wurden insgesamt 308 Kommentare geschrieben, die Hälfte davon sind Antworten von Philip. Das fasse das natürlich nicht alles zusammen, sondern picke nur ein paar Themen heraus, die ich aus Sicht eines Second Life Nutzers interessant finde. Lustig ist das Foto von Philip hier links. Auch in den USA haben die Friseure schon länger wegen dem Lockdown geschlossen.

Philip startet mit:

Hallo Reddit! Ich bin der Gründer der virtuellen Zivilisation Second Life, die von einer Million aktiver Nutzer bevölkert wird. Und jetzt bin CEO und Mitbegründer von High Fidelity - wo wir gerade eine räumliche Echtzeit-Audio-API für Apps, Spiele und Websites veröffentlicht haben. Wenn ihr es ausprobieren wollt, würde ich gerne eure Meinung hören: highfidelity.com/api.

 F: Hast du noch Träume/Pläne für ein weiteres Metaverse?

A: Ich liebe virtuelle Welten und habe vor, in der einen oder anderen Form weiter an ihnen zu arbeiten, bis ich sterbe!

F: Was wird der nächste große Schritt für VR sein?
A: Das Tippen in normaler Geschwindigkeit (wahrscheinlich mit Hilfe einer HMD-Kamera, die eine echte Tastatur zeigt) wäre die größte Veränderung, die VR-Geräte für das allgemeine Computing nutzbar machen würde. Das nächste wäre ein geringeres Gewicht und mehr Komfort für längere Sitzungen. Der 'große Schritt' ist einfach, zu etwas zu kommen, das jeder bequem benutzen kann.

F: Wenn du heute eine virtuelle Welt neu aufbauen würdest, würdest du da Kryptowährungen mit einbeziehen? Was denkst du, wie lange dauert es, bis virtuelle Welten so realistisch sind, dass die Leute sie nicht mehr von der Realität unterscheiden können?
A: Ja, ich würde Kryptowährungen verwenden, aber NICHT mit Ausführungsnachweis als Konsensmechanismus, da dies die Umwelt gefährdet. Der Konsensmechanismus kann nicht Einheiten der Währung gegen elektrische Energie tauschen - das ist ein Rezept für eine globale Katastrophe. Glücklicherweise gibt es viele andere Möglichkeiten, ein verteiltes Aufzeichnungssystem aufrechtzuerhalten.

F: Ich liebe virtuelle Welten und bin schon seit den ersten Jahren in Second Life unterwegs. [...] Ich habe HMDs benutzt, ich finde sie cool, aber ich kann mir keinen Inhalt vorstellen, für den ich wirklich ein HMD benutzen möchte.[...] Warum sollte ich den Sprung von der Erstellung von Inhalten in Second Life machen, um für HMD-Plattformen zu entwickeln?
A: Du solltest warten, bis es eine große Anzahl von Leuten gibt, die HMDs benutzen. Das ist aber noch nicht der Fall. HMDs müssen für jeden zugänglich und komfortabel sein, unabhängig von Alter, Geschlecht und Rasse. Das sind sie noch nicht.

F: Du hattest früher das Ziel, Avatare so zu gestalten, dass die Leute damit von Site zu Site springen können. Kommst du mit deiner Arbeit diesem Ziel näher?
A: Die schwierige Frage lautet, warum wir zwischen Welten springen oder eine größere Welt teilen wollen. Die meisten Spiele sind absichtlich ganzheitlich - es macht nicht wirklich Sinn, zwischen ihnen zu springen. Man will ja auch nicht mit einem Auto aus GTA in Among Us fahren. Die große Frage nach dem "was ist das Metaverse" ist also, welche Art von Räumen wir teilen wollen, und warum? Ich glaube nicht, dass irgendjemand sehr gute Antworten darauf hat, mich selbst eingeschlossen!

F: Was sind deine momentanen Gedanken über die DApp-Ökonomie? Siehst du aus deiner Erfahrung in Second Life zukünftig eine Welt, in der Menschen ihren Unterhalt bestreiten, indem sie ihr Einkommen mit Vollzeitarbeit in einer virtuellen Welt erzielen?
A: Ja: Ein paar tausend Menschen verdienen heute ihren Lebensunterhalt in Second Life. Und das ist ein Ort, an dem normalerweise etwa 50.000 Menschen online sind. Es werden sich also durchaus im Laufe der Zeit immer mehr Menschen von der Arbeit in virtuellen Welten ernähren können.

F: Glaubst du, dass VR irgendwann AR ersetzen wird oder eher, dass sie harmonisch koexistieren können? Bist du der Ansicht, dass VR essentiell für virtuelle Welten ist? Und wie weit sind wir in Bezug auf Technologien entfernt, um eine vollständig gerenderte, realitätsnahe Stadt zu entwickeln, in die Spieler eintreten können?
A: Ich denke, AR und VR sind sehr unterschiedliche Dinge. AR erfordert Ansätze, die Informationen mit der realen Welt vermischen und die Aufmerksamkeit ausbalancieren. VR ist das Gegenteil - totale Immersion. Sowohl die Hardware, die Software als auch die wirtschaftlichen/sozialen/moderativen Implikationen sind für beide sehr unterschiedlich.

Ich glaube nicht, dass VR (wenn du damit HMDs meinst) essentiell für virtuelle Welten ist. Wir interagieren in virtuellen Welten mit welchen Interfaces auch immer wir wollen. Wir werden wahrscheinlich nie "Eingeborene" dieser Welten durch unsere Interfaces sein, egal wie gut sie sind.

Philip Rosedalt / Quelle: Twitter
F: Warum hast du High Fidelity (die 3D-Plattform) aufgegeben? Wann können wir mit einer neuen Plattform rechnen, in der Menschen über Avatare mit virtuelle Menschen zusammenkommen und regelmäßig interagieren?
A: Es gibt derzeit mehr als 100 Apps/Plattformen, die versuchen, soziale Räume der einen oder anderen Art zu schaffen, mit einer Menge hochspezifischer Funktionen für verschiedene Branchen, wie z. B. individuell gestaltbare Objekte oder gemeinsame Whiteboards oder Avatar-Picker. Das sind eine Menge Leute, die an neuen Welten arbeiten - schwer, mit ihnen allen zu konkurrieren. Aber keiner von ihnen hat Audio, das auch nur annähernd das kann, was wir mit Spatial Audio machen. Es scheint also der richtige Schritt zu sein, sie alle zu befähigen, schneller voranzukommen (mit unserer API), wenn wir mehr 3D-Räume da draußen sehen wollen.

Was virtuelle Menschen (angetrieben durch KI) angeht - ich denke, dass sich KI als der wichtigste und potentiell gefährlichste Bereich des menschlichen Fortschritts herauskristallisiert. Wir haben an virtuellen Menschen gearbeitet und es gibt noch eine Menge großer Probleme - es ist noch in einem frühen Stadium. Visuelle Repräsentationen können noch sehr unheimlich sein. Ein weiteres großes Problem sind Vorurteile, Rassismus und Polarisierung, die sich in ihrem Verhalten und ihrer Kommunikation zeigen. Sowohl bei der KI als auch bei uns selbst ist das etwas, das wir angehen müssen, bevor wir uns weiterentwickeln. Ich glaube also nicht, dass wir uns mit unseren digitalen Kindern zusammentun werden.

F: Bist du neugierig, welche anderen Sinne in Zukunft zu virtuellen Welten hinzugefügt werden könnten, um ein umfassenderes Erlebnis zu schaffen? Oft wünsche ich mir, ich könnte eine Kerze riechen, oder ein Lagerfeuer oder Regen auf dem Bürgersteig. Glaubst du, dass wir eines Tages in der Lage sein werden, Dinge zu riechen?
A: Ich liebe die Idee, aber ich denke, dass die Physik der Simulation von Geruch vielleicht nie möglich sein wird. Aber ein noch größeres Problem ist der Tastsinn: Wir können den größten Sinn unseres Körpers in virtuellen Welten nicht nutzen. Wir können unseren Körper dort nicht "fühlen". Unser Körper ist im Grunde ein Teil unseres Gehirns - ziemlich untrennbar - wenn es darum geht, Dinge zu fühlen und sich zu bewegen. Ich denke, es gibt noch einige Ideen, die man ausprobieren kann (wir haben eine gebaut, die sich 'das Rig' nennt und eigentlich das erste Projekt bei Linden Lab war, noch vor Second Life), aber das ist es, was wir wirklich brauchen, damit es funktioniert - Berührung.

F: Was hat dich daran überrascht, wie sich die Menschen in Second Life verhalten haben?
A: Vieles! Aber es hat mich tief bewegt, wie die Menschen sich über ihre Avatare kennengelernt haben, obwohl sie sich nicht hören oder sehen konnten. Ich habe Second Life mit Fokus auf den Lego-Baukasten/Minecraft-Traum aufgebaut, eine simulierte Welt zu bauen und zu sehen, was die Leute daraus machen würden. Aber inzwischen betrachte ich die Verbindungen zwischen Menschen als das Wichtigste in Second Life.

F: Ich bin Unternehmer seit ich 18 Jahre alt war (jetzt bin ich 33), und die meisten meiner erfolgreichen Unternehmungen sind in Second Life angesiedelt (Fennux, Fawns, Kreatures). Hast du manchmal eine Vision für etwas, das niemand sonst wirklich zu begreifen scheint? Wenn ja, wie gehst du damit um? Was ist dein Geheimnis, um diejenigen zu finden, die deine Vision teilen?
A: Lass dich davon nicht unterkriegen. Manchmal sieht man etwas, das andere nicht sehen können. Als ich jünger war, habe ich mir die Schuld dafür gegeben, dass ich es nicht kommunizieren konnte, oder ich wurde wütend auf die Leute, weil sie mich nicht hörten oder mich nicht finanzierten, oder was auch immer. Jetzt entspanne ich mich und erkenne, dass wir alle Gaben zu bieten haben, wir sind alle unterschiedlich, meine Gabe ist es (manchmal), diese seltsamen Ideen zu haben, und es ist OK, wenn diese Gaben nicht immer akzeptiert werden.

F: Was denkst du über das Potenzial für den Einsatz von VR-Räumen in der Bildung, insbesondere zur Unterstützung von Schülern mit außergewöhnlichen Bedürfnissen (z.B. nonverbal, Schüler mit Autismus)? Hast du einen Einblick, wer dies bereits gut macht oder wohin sich die Technologie in Bezug auf die Unterstützung von Schülern mit besonderen Bedürfnissen entwickeln wird?
A: Es gab bemerkenswerte Studien, die in Second Life bei Erwachsenen mit Autismus durchgeführt wurden, die du vielleicht nachschlagen möchtest. Ein Typ namens John Lester, auch bekannt als Pathfinder Linden, hat einige der frühen Arbeiten durchgeführt, aber du wirst zahlreiche akademische Arbeiten zu diesem Thema finden.

F: Was sind drei Kernfunktionen/-fähigkeiten, die du gerne in Second Life in den nächsten Jahren ausgebaut sehen würdest, und warum?
A: Ich betreibe Second Life nicht mehr, also habe ich da keine spezifischen Antworten. Einige gute Änderungen der letzten Zeit haben es auf der Simulator-Ebene schneller gemacht (Dinge wie schnelleres Überqueren von Regionen) - ich weiß, dass das etwas ist, das die Leute schätzen und das ich es selbst auch gerne sehen würde, wenn Second Life immer schneller wird.

F: Glaubst du, dass jemals eine neue virtuelle Welt auf den Markt kommen wird, in der der Fokus auf dem Erstellen liegt, so wie es bei Second Life der Fall ist? Warum ist noch nichts aufgetaucht, das SL in dieser Hinsicht überholt?
A: Programmierbare Objekte zu erstellen, die man live in einer großen Welt bearbeiten kann, in der sich Dinge sowohl bewegen als auch nach Belieben teleportieren können, ist eine wirklich schwierige Aufgabe. Wir haben viel mehr Code dafür geschrieben, als die Leute denken - und wie dir SL-Nutzer sagen werden, gibt es immer noch eine Menge Bugs und Grenzfälle. Ich denke, das ist der Grund, warum wir nicht mehr solche Dinge gesehen haben - wir waren unserer Zeit wirklich voraus. Ich wette, wir werden bald einige erstaunliche neue Projekte sehen (aber ich schätze, ich habe das schon mal gesagt und lag falsch).

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Okay, das war eine gekürzte Zusammenfassung dessen, was im SL Newser veröffentlicht wurde. Es ist aber nicht mal ein Viertel von dem, was insgesamt auf Reddit aufgelistet ist. Ich finde halt die Aussagen von Philip immer interessant. Und ich denke, dass er nach dieser Spatial Audio API, die ja inzwischen fast fertig ist, vielleicht wieder etwas Größeres entwickeln wird.

Links:

Sonntag, 31. Januar 2021

High Fidelity entwickelt 3D-Audio API für alle Plattformen

Quelle: High Fidelity

In den letzten Wochen gibt es wieder vermehrt Meldungen zu High Fidelity. Und Philip Rosedale ist auch ziemlich aktiv auf Twitter. Die HiFi Audio-Plattform für Events und Meetings, die in einem Webbrowser läuft, ist seit einiger Zeit in der offenen Beta und findet in Zeiten einer weltweiten Pandemie scheinbar auch genügend Anwender.

Vor zwei Wochen kam dann die Technik von HiFi auch bei einem Livekonzert auf der CES 2021 zum Einsatz. Vor allem wurde damit gezeigt, dass HiFi mit weiteren Diensten kombinierbar ist und in Verbindung mit diesen genutzt werden kann (siehe SpatialWeb im Abschnitt "3D Spatial Sound").

Gestern, am 29. Januar, hat Philip im HiFi-Blog dann eine für mich überraschende Ankündigung gemacht. Nachdem er zu Beginn noch einmal erklärte, was Spatial Audio ist und wie es funktioniert, schrieb er ganz am Ende seines Beitrags das hier:

Spatial Audio API demnächst verfügbar

Viele Apps und Spiele würden aus den genannten Gründen von Spatial Audio profitieren, nicht nur Videokonferenzlösungen, sondern auch Social Voice Chat Apps, Spiele, Live-Streaming-Events, Virtual Reality und mehr. Wir arbeiten aktiv an einer API, mit der ihr High Fidelitys Live-Spatial-Audio in Web-Apps und Spiele integrieren könnt.

Meldet euch unten an, um benachrichtigt zu werden, wenn wir sie veröffentlichen. Oder meldet euch für unser Alpha-Programm an.

Quelle: What is Spatial Audio?


Da Philip Rosedale sich oft mit Ebbe Altberg unterhält und er auch immer noch an der Entwicklung von Second Life interessiert ist, könnte ich mir vorstellen, dass es vielleicht auch Pläne gibt, diese API in Second Life zu integrieren. Sie könnte das fehleranfällige Voice-Paket von Vivox ersetzen, das in all den Jahren seit seiner Einführung nie so richtig gut funktioniert hat. Selbst die Lindens, die in den Inworld-Nutzertreffen moderieren, haben permanent Voice-Aussetzer.

Ich weiß nicht, ob die API von Rosedale auch für den SL-Viewer nutzbar sein wird. Aber wenn das so ist, würde ich mich freuen, wenn HiFi übernommen wird. Denn ob nun Linden Lab ein paar Dollar im Monat an Vivox oder an HiFi für die Lizenz bezahlt, dürfte ziemlich egal sein. Die Demos dagegen, die ich bisher von HiFi ausprobiert habe, waren alle akustisch ziemlich überzeugend und wesentlich besser als das Geknackse von Vivox.

Links:


Dienstag, 19. Januar 2021

Lesenswerter Tweet von Philip Rosedale

Heute habe ich einfach mal einen Diskussionsverlauf von Twitter als Thema. Dort hat Philip Rosedale am 17. Januar den folgenden Tweet abgesetzt:



Übersetzung:
Second Life ist die einzige virtuelle Welt, in der Menschen interessante Dinge bauen und gleichzeitig an einem Ort zusammen sein können. Obwohl sie 17 Jahre alt ist, hat noch kein anderes Spiel oder keine andere Welt dieses Ziel vollständig erreicht. Stimmt ihr mir zu? Sagt mir, was ihr denkt.

Daraus hat sich ein langer Thread entwickelt, in dem viele Leute Philip zustimmen aber auch weitere Beispiele anderer Plattformen aufzählen. Draxtor Depres schreibt zum Beispiel:
Ich stimme immer zu 100% zu, aber seit du diese prägnante Aussage getwittert hast, stimme ich jetzt zu 110% zu. 
Und darf ich so verwegen sein, meine Serie zu verlinken, die zeigt, was die Leute tatsächlich in SL machen? Hier ist sie: The Drax Files: World Makers. Es ist einfach unglaublich, wie umfassend SL ist... 
Darf ich auch Strawberry Singh einen Gruß aussprechen, die im Laufe der Jahre so maßgeblich dazu beigetragen hat, die Kluft zwischen In-World-Communities zu überbrücken, und die unglaublich hart daran arbeitet, die in einigen Kreisen [immer noch] vorherrschende verzerrte öffentliche Wahrnehmung zu ändern.

Will Burns, Berater der IEEE-Gruppe zur Definition von Standards für virtuelle Welten, schrieb das hier:
Ich glaube zwar, dass Second Life wahrscheinlich das derzeit beste Beispiel ist, in der Annahme, dass wir Dinge wie Dual Universe ausschließen. Aber wir dürfen den Vorgänger Active Worlds nicht vergessen. Ich denke, es hängt davon ab, was "dieses Ziel vollständig erreicht" für dich bedeutet.

Darauf antwortete Philip:
Ich stimme 100% zu, dass Active Worlds das Wichtigste vor Second Life war (es hat mich sehr beeinflusst). Dual Universe ist keine 3D-Umgebung, in der man live Bauen kann, oder? Hat sich daran etwas geändert?

Interessant ist auch der kurze Austausch zwischen VR Game-Entwickler Ryan Engle und Philip. Ryan schreibt:
Super Argument. Und herzlichen Glückwunsch zum Erfolg! Aber warum wächst es nicht schneller und warum ist es keine Killer-App für VR? (Das soll keine Kritik sein, ich bin wirklich nur neugierig).

Darauf Philip:
Second Life hat keine VR-Unterstützung, also kann es zur Zeit noch nicht versuchen, eine Killer-App für VR zu sein. Aber meiner Meinung nach...das tiefere Problem ist, dass VR‑Brillen noch keine ausreichend große Anzahl von Leuten und Geschlechtern ansprechen, um dieses Rennen zu starten. Wahrscheinlich aber in 5 Jahren.

Philip Rosedalt / Quelle: Twitter
Diese Ansicht von Philip hat ja vor einem Jahr dafür gesorgt, dass die 3D-Welt von High Fidelity geschlossen wurde.

Es gibt auch eine Reihe von Vertretern anderer Plattformen, die darauf hinweisen, dass dort ebenfalls gemeinsames inworld Bauen in 3D möglich sein soll. Da ich heute mal wieder in Zeitnot bin, übersetze ich das nicht mehr. Es werden Plattformen wie Rec Room, NeosVR, JanusXR und Dual Universe genannt.

Ich wollte eigentlich nur auf diese interessante Diskussion aufmerksam machen, die für mich fast danach aussieht, als würde Philip mal wieder nach einer Inspiration suchen, selbst eine neue 3D-Plattform zu entwickeln. Das hat er ja in Aussicht gestellt, als er High Fidelity geschlossen hatte.

Auch dass Philip erwähnt, dass er immer noch mit vielen Lindens in Kontakt steht und er denkt, dass sie einen tollen Job gemacht haben, sieht für mich danach aus, dass es ihn wieder juckt, etwas in 3D zu starten.

Wer etwas Englisch versteht, sollte sich einfach mal die gesamte Diskussion durchlesen. Klappt man auch noch die "Show replies"-Links auf, ist das inzwischen ein ziemlich langer Thread geworden.

Sonntag, 17. Januar 2021

High Fidelity wurde für eine Show auf der CES 2021 genutzt

Quelle: High Fidelity

Bis vor etwa einem Jahr habe ich regelmäßig etwas zur virtuellen 3D-Welt von High Fidelity geschrieben. Doch am 15. Januar 2020 (also vor fast exakt einem Jahr), wurden alle Dienste von High Fidelity abgeschaltet.

Die Plattform besteht zwar immer noch, aber mehr als ein paar private Server und Regionen gibt es dort nicht mehr. Außerdem findet auch keine Weiterentwicklung mehr statt. Der Gründer von High Fidelity ist Philip Rosedale, der auch Second Life erfunden hat.

Nach einer Pause im stillen Kämmerlein kam dann Philip im Mai 2020 mit einer neuen Plattform zurück, die auch wieder High Fidelity heißt. Es ist eine 2D-Chatanwendung mit räumlichem 3D-Sound. Das Fachwort heißt "Spatial Audio" und ist mehr als nur Stereo. Man kann anhand von Geräuschen die genaue Richtung und in etwa die Entfernung der Quelle abschätzen. Philip nennt sein neues HiFi erneut eine virtuelle Welt, was sie aber laut allgemeiner Definition nicht ist.

Dennoch sind die Audioeigenschaften von HiFi beeindruckend. Philip hat am 7. Januar auf YouTube eine Demo veröffentlicht, die man sich mal mit einem guten Kopfhörer anhören sollte. Ich bette das Video auch hier ein. Erstaunlich, wie räumlich das Ganze klingt:

Jazz Trio Spatial Audio Demo



In dieser Woche fand vom 11. bis 14. Januar die CES 2021 statt, die größte Consumer Electronic Show der Welt. Diesmal nur online wegen Covid-19. Anders als in den vergangenen Jahren war Linden Lab nicht mit dabei. Aber Rosedale durfte mit seiner Plattform den Audioteil einer Show auf der CES übertragen. Unter anderem ein Live-Konzert von Billie Eilish.

Auf Twitter schrieb Rosedale: "Gerade wurde eine riesige CES-Party mit einem Live-Auftritt von Billie Eilish durchgeführt, bei der High Fidelity den dreidimensionalen Audiodienst bereitstellte!"

Das sah dann in der HiFi-Applikation, die im Browser oder auf einem Smartphone läuft, so aus:

Online Konzert von Billie Eilish / Quelle: Philip Rosedale / Twitter

Rosedale arbeitete beim Support der CES mit der Firma SpatialWeb zusammen, die alles andere außer dem 3D-Sound für die Übertragung beisteuerte. Auf der Homepage von SpatialWeb wird aber darauf hingewiesen, dass die Technik für den 3D Spatial Sound von High Fidelity ist.

Zu Wagner James Au sagte Philip, dass es "eine Reihe weiterer noch nicht angekündigter Entwicklerprojekte gibt, in denen wir den dreidimensionalen Audiodienst bereitstellen werden". Wagner meint, das könnte ein Durchbruch für die HiFi-Software sein. Und wer weiß, ob Philip nicht wieder eine 3D-Welt entwickelt, wenn sein jetziges Projekt finanziell erfolgreich wird.

Links:


Sonntag, 9. August 2020

Lab Gab Folge 32 - Das Interview mit Philip Rosedale

Lab Gab - Episode 32 - Second Life Founder Philip Rosedale!
Quelle: SecondLife Official / Flickr
Am 7. August gab es eine Lab Gab Folge, bei der sich Strawberry Linden mit Philip Rosedale unterhalten hat. Es gab zwar keine sensationellen Ankündigungen oder überraschende Neuigkeiten, aber das Interview war im Ganzen nicht schlecht und ich liste hier einfach mal ein paar Aussagen vom Second Life Erfinder auf.

Das Interview war auch ziemlich lang, verglichen mit einer durchschnittlichen Lab Gab Folge. Es dauerte 56 Minuten. Philip ist zur Show tatsächlich in seinem uralten Outfit erschienen, inklusive perlenbesetztem Hosenlatz. Ob er die Rose früher auch schon in der Hand hielt, kann ich nicht mal sagen. Vielleicht hat er die ja wegen Strawberry herausgeholt.

Allgemeines
  • Philip hält die aktuelle Lage mit der COVID-19 Pandemie für die verrückteste Zeit, die er bisher in seinem Leben erlebt hat.
  • Philip loggt immer noch ab und zu in Second Life ein. Er erzählte, dass er erst kürzlich die neuen Linden Homes auf Bellisseria besichtigt hätte und dabei einigen Leuten begegnet ist und mit ihnen gesprochen hat.
  • Rosedale ist nicht überrascht, dass SL nach fast 20 Jahren (inkl. Betaphase) immer noch existiert. Er findet es allerdings faszinierend, dass das Grid über all die Jahre relativ stabil in seiner Größe geblieben ist.
  • Second Life ist auch heute noch seiner Zeit voraus. Es gibt noch viele Dinge, die in Second Life gemacht oder umgesetzt werden können, aber an die bis jetzt noch keiner gedacht hat.
  • Rosedales Avatar ist bei einem Avatarwettbewerb entstanden, als Skins in Second Life eingeführt wurden. Er hatte parallel dazu einen internen Wettbewerb mit Andrew Linden (der heute immer noch für Philip bei High Fidelity arbeitet), wer es schafft, den besten Avatar zu gestalten. Da Philip nicht gut im Gestalten ist, hat er einfach versucht mit einer Kombination aus verrückten Elementen zu punkten. Am Ende hat dann aber Andrew gewonnen und Philip spendierte ihm ein Abendessen. Da dieser Avatar dann Philips Identität in Second Life wurde, hat er ihn bis heute nicht geändert.
  • Ziemlich am Ende des Interviews sagte Philip, dass COVID-19 einen großen Teil der Welt dazu gebracht hätte, sich auch virtuelle Arbeits- und Freizeitmöglichkeiten anzusehen. Davon haben fast alle Internetplattformen profitiert. Philip ist trotz der an sich negativen Situation stolz darauf, an Technologien zu arbeiten, die in der Pandemie dabei helfen, Menschen zusammenzubringen und sie miteinander kommunizieren zu lassen.
  • Als letzte Aussage in der Show sagte Philip noch, dass er sich für Second Life wünscht, dass das Interface für den Zugang einfacher zu nutzen und bedienen wäre. Für viele Leute auf der Welt wäre der eine oder andere Aspekt von Second Life durchaus interessant, jedoch scheitert es bei vielen an der Zugänglichkeit. Diese Aussage könnte man als Wink an Linden Lab verstehen, vielleicht doch noch einen anderen Zugang als den recht komplexen Viewer von heute zu entwickeln.

Die alten Zeiten bei Linden Lab
Philip Rosedales Avatar
  • Für Philip war nicht die Erfindung des Heimcomputers die größte Innovation in seiner Jugend, sondern die Einführung des Internets, das eine Vernetzung der Computer ermöglichte. 1995 war Philip noch der Ansicht, dass das Internet nicht schnell genug für eine virtuelle Welt war. Aber 1999 war für Philip das Jahr, in dem sowohl das Internet durch erste Kabelmodems erwachsen wurde als auch die Heimcomputer durch erste Grafikkarten eine gute Performance ablieferten. Als er das sah, hat er beschlossen Second Life zu entwickeln. Zu dieser Zeit war er noch CTO bei RealNetworks. Er kündigte und startete mit seinem Studienfreund Andrew die Firma Linden Lab.
  • Bereits 1992 hat Philip so etwas wie ein Virtual Reality Gerät für Computer entwickelt. Er nannte es "The Rig". Im Jahr 2000 meldete er es sogar im Namen von Linden Research als Patent an. Dieses Patent hat heute immer noch Gültigkeit.
  • Als Linden Lab gegründet wurde, war Microsoft gerade ein "böses Unternehmen". Dort wurde alles von oben herab delegiert. Philip wollte es bei LL genau anders herum. Seine Mitarbeiter sollten nur das machen, was sie für richtig hielten und dem CEO lediglich erklären, warum sie etwas so machen.
  • Später in der Show sagte Philip jedoch auch die Frage, was er aus heutiger Sicht anders gemacht hätte, dass er vielleicht zu idealistisch war. Wenn einige Leute gut gefunden hätten, wie er die Firma führte, bedeutet dies nicht, dass alle damit einverstanden waren. Von diesem Standpunkt aus hatte Philip, der sich selbst als Rebell bezeichnet, das Ganze in den Anfangsjahren von Linden Lab nicht gesehen. Er hätte damals alternative Arbeitsumfelder ermöglichen sollen.
  • Seinen Posten als CEO von Linden Lab hatte Philip aufgegeben, weil er der Ansicht war, dass er nicht mehr der richtige Mann für diesen Posten zu dieser Zeit war (2009).

Strawberry und Philip
LoveMachine Inc.
  • 2009 gründete Philip die Firma LoveMachine Inc.. Sie hat nur eine kleines Programm vertrieben, das bei Linden Lab bereits seit 2005 genutzt wurde. Und zwar konnten Mitarbeiter anderen Mitarbeitern eine positive Meldung zukommen lassen, wenn sie etwas Positives getan hatten. Diese Meldungen wurden auf großen elektronischen Boards gesammelt und an bestimmten Plätzen im Büro angezeigt, so dass alle Mitarbeiter der Firma sie sehen konnten. Das erhöhte nachweislich die Zufriedenheit und das Selbstwertgefühl der Mitarbeiter. Als Firma hatte LoveMachine dann einige Kunden, die dieses System übernahmen. High Fidelity und Linden Lab nutzen es sogar heute noch. LoveMachine ist als Business inzwischen wieder geschlossen worden.

Übernahme von Linden Lab durch Investoren
Strawberry Linden
  • Wie zu erwarten war, hat Philip keine neuen Informationen zu diesem Thema ausgeplaudert, da der Prozess zur Übernahme von Linden Lab immer noch nicht abgeschlossen ist. (Siehe meine Berichte hier und hier.)
  • Philip kennt Bradford Oberwager schon ziemlich lange und er war seit den Anfängen von Second Life immer an den Vorgängen und Meldungen rund um diese Plattform interessiert. Er hält Bradford für einen sehr integren Menschen, der gut zuhören kann. Durch ihn erhält Second Life den Rückhalt, weiter zu wachsen, was Philip sehr aufregend findet.

High Fidelity Inc.
  • 2011 startete Philip das Projekt "Coffee and Power". Das war ein Jobvermittlungsdienst für kleinere Aufträge. Einige dieser Aufträge kamen von Philip selbst, da er bestimmte Funktionen für eine mobile App namens "Workclub" benötigte. 2013 kündigte Coffee and Power dann an, die Arbeiten an Workclub einzustellen und unter dem Namen "High Fidelity" etwas völlig Neues zu starten.
  • Mit dem Erscheinen der VR-Brillen hatte Philip angenommen, dass diese Technologie das nächste große Ding auf dem Massenmarkt sein würde. Deshalb fiel die Entscheidung, die virtuelle VR-Welt "High Fidelity" zu entwickeln. Philip sagte dann gleich im Anschluss, dass diese Entscheidung aus heutiger Sicht falsch war.
  • Vor einem Jahr wurde Philip dann klar, dass die VR-Brillen kein Massenmarktprodukt werden würden. Zumindest nicht in absehbarer Zeit. Deshalb wurde die Entscheidung getroffen, die VR-Welt zu stoppen und etwas anderes zu starten.
  • Man wollte nun etwas entwickeln, das jeder nutzen kann, der ein Gerät mit Browserzugang zum Internet hat, ohne weitere Hardware. Die neue Plattform von High Fidelity kann räumlich ortbare Audioquellen fast ohne Latenz im Internet übertragen.
  • Eigentlich sollte die Audio-Plattform auch eine 3D-Grafik bekommen, doch mit Beginn der Pandemie hat man bei HiFi entschieden, das was man bisher entwickelt hatte, in Verbindung mit einer Draufsicht auf eine 2D-Karte zugänglich zu machen.
  • Es gibt viele Möglichkeiten, seine Identität in virtuellen Umgebungen zum Ausdruck zu bringen. In SL sind es Pixel in Form eines Avatars, in High Fidelity ist es aktuell die Audio-Repräsentanz im dreidimensionalen Raum.

Die Zukunft von High Fidelity
  • Die Audio-Plattform wird so ausgebaut, dass tausende Teilnehmer gleichzeitig am selben Ort miteinander kommunizieren können.
  • Wenn man eine 3D-Welt so detailliert wie Second Life rendern möchte, dann geht das nur mit wenigen Nutzern, die gleichzeitig am selben Ort sind. Mit tausenden Teilnehmern ist es selbst für modernste aktuelle Technologie fast unmöglich. Philip sagte, man hätte bei High Fidelity ein paar sehr verrückte Ideen, wie man das in Verbindung mit der neuen Audio-Plattform vielleicht hinbekommen könnte. Mehr wollte er dazu nicht sagen, weil geheim.

Second Life's Lab Gab Episode 32 - Second Life Founder, Philip Rosedale!



Für mich war das die beste Lab Gab Folge bisher. Was wahrscheinlich an der Art von Philip liegt, wie er Dinge erklärt und beschreibt. Aber auch Strawberry hat sich im vergangenen Jahr ganz schön weiter entwickelt. Sie war ja vor ihrer Zeit bei Linden Lab auch schon eine gute Bloggerin. Aber nun ist sie in meinen Augen noch reifer geworden. Diese Stunde mit Philip hat sie sehr souverän moderiert.

Samstag, 23. Mai 2020

[High Fidelity] - Neue Plattform jetzt in der offenen Beta

Quelle: High Fidelity
Das wird jetzt nur ein relativ kurzer Beitrag. Am 13. Mai hatte ich hier gemeldet, dass Philip Rosedale mit seiner Firma High Fidelity eine geschlossene Alpha für eine neue Plattform gestartet hat. Seit dem 21. Mai ist diese Plattform nun schon in der offenen Beta. Das hat Philip persönlich in einem Blogpost verkündet.

Im Vorbericht hieß es, das Ganze sei eine "2D-Welt mit 3D‑Audio Eigenschaften". Und im gestrigen Blogpost schreibt Philip, dass aktuell 150 Leute auf demselben Server einloggen können. Später soll es mal für Tausende möglich sein. Er hofft, dass die Menschen seine Plattform aus einer Vielzahl von Gründen nutzen, um sich miteinander zu verbinden, zum Live-Musik hören, für Familienfeiern, Partys, Festivals, Lernen in Klassenzimmern, oder auch nur aus Spaß.

Das neue High Fidelity ist Cloud-basiert und man kann sich mit einem Webbrowser über PC oder ein Smartphone einloggen. Ein Download ist nicht erforderlich. Wer einen Server gestartet hat, kann anderen den Link zukommen lassen und die können sich dann auf dem gleichen Server einloggen. Was Philip als 2D‑Welt bezeichnet hat, ist allerdings ein einfaches Standfoto, auf dem das Profilbild des eingeloggten Nutzers pulsiert.

Hier ein Screenshot von Philip Rosedale. Man sieht ein Foto von der Draufsicht eines Pools. Sein Profilbild ist darauf nur sehr klein zu sehen. Der rote Schein außen herum ist scheinbar das Pulsieren.

Feste Ansicht auf Philip Rosedales High Fidelity Server / Quelle: Philip Rosedale auf Twitter
Wie der Pool von Philip dann für andere aussieht, kann man sich in einem Screenshot auf New World Notes ansehen, denn Wagner James Au wurde von Philip wohl auf einen Besuch eingeladen.

Ryan Schultz hat das ebenfalls bereits ausprobiert und ist mega enttäuscht. Er sieht nach dem Login permanent ein kleines Stück verschwommene Straße. Man kann diesen fixen Hintergrund in den Einstellungen zwar beliebig ändern (ein anderes Bild laden), aber es bleibt eben ein unbewegliches Foto, das mit einer "Welt" nicht wirklich etwas zu tun hat.

Doch damit noch nicht genug. Wenn man nun Stimme oder Musik auf seinen Server streamen möchte, geht das nicht über den Browser, mit dem man sich eingeloggt hat, sondern man benötigt das separate Programm Voicemeeter Banana. Die Benutzeroberfläche dieses Programms sieht so aus:

Voicemeeter Banana / Quelle: VB-Audio Software
Laut Ryan ist die gesamte Plattform eigentlich nichts anderes als ein Server, auf dem man 3D-Audio mit bis zu 150 Leuten gemeinsam nutzen kann. Deshalb probiere ich es auch gar nicht erst aus.

Keine Ahnung was die Firma High Fidelity da eigentlich entwickeln musste. Für mich sieht das wie ein Abfallprodukt der alten Plattform aus, die im Januar 2020 aufgegeben wurde. Aus meiner Sicht hat das auch nichts mehr mit einer virtuellen Welt zu tun. Deshalb ist das hier fürs Erste mein letzter Blogpost zum aktuellen Produkt von High Fidelity.

Links zum Thema:

Allgemeine Links:

Mittwoch, 13. Mai 2020

[High Fidelity] - Geschlossene Alpha für neue Plattform

Quelle: High Fidelity
Im Dezember 2019 gab Philip Rosedale, der Gründer von Second Life und High Fidelity, das Ende der Entwicklung von HiFi als VR-Plattform bekannt. Seit dem 15. Januar 2020 wird die virtuelle VR-Welt nicht mehr von der gleichnamigen Firma betrieben. Damals hieß es, dass das Team von High Fidelity an etwas völlig Neuem arbeiten würde, über dessen Inhalt man noch nichts sagen möchte.

Am 12. Mai berichtete Wagner James Au auf New World Notes darüber, dass Philip nun eine geschlossene Alpha mit limitiertem Zugang für die neue Plattform gestartet hat. Es handelt sich dabei um eine 3D-Audio Version der vorherigen Plattform, mit einer 2D-Grafik und ohne VR-Unterstützung. 2D-Grafik kann aber durchaus bedeuten, dass es eine virtuelle Welt im Stil von Second Life ist. Denn Entwickler bezeichnen mit 2D oder 3D das Format des Ausgabemediums. Also Monitor = 2D und VR‑Brille = 3D.

Philip schreibt dazu das Folgende:
Wir haben jetzt die Möglichkeit, Menschen mithilfe von 3D-Audio zusammenzubringen. Es ist viel einfacher es auszuprobieren als es zu erklären, aber die Grundidee ist, dass ihr mit einem Klick auf jedem Computer oder Smartphone darauf zugreifen könnt, ohne einen Download. Ihr könnt euch in einer großen Umgebung bewegen, in der das gesamte Audio in High Fidelity (haha, ist aber so) und in 3D wiedergegeben wird. So können alle zur gleichen Zeit miteinander sprechen und ihr versteht sie dennoch alle. Oder ihr könnt an Diskussionsgruppen teilnehmen oder verschiedene Bereiche für unterschiedliche Zwecke nutzen.

Diese Arbeit ist Teil eines größeren Projekts zum Aufbau einer neuen, riesigen virtuellen Welt, auf die von jedem Gerät aus zugegriffen werden kann. COVID hat uns jedoch dazu veranlasst, das zu veröffentlichen, was wir bisher haben. Ihr könnt es für Dinge verwenden wie Live-DJ, Live-Musik, Events, Familientreffen, Betriebsversammlungen oder was auch immer ihr euch vorstellen könnt. Die Erfahrung ist sehr angenehm und miteinander verbindend - und ganz anders als bei Videokonferenzen.

Quelle: High Fidelity
Also wird es doch wieder eine virtuelle Welt von Philip geben, so wie es aussieht. Zwar ohne VR aber mit Spezialisierung auf 3D‑Audio. Philip nennt es selbst "Audio mit 2D-Welt". Im Audiobereich hat man ja bereits in der Welt von HiFi erstaunliche Resultate erzielen können. Wer möchte, kann sich über diesen Link für einen Zugang zur geschlossenen Alpha bewerben. Da man allerdings eher Gruppen sucht (es wird nach der Anzahl der Nutzer gefragt), habe ich mich nicht angemeldet.

Unter anderem hat bereits der Musiker Rob Garza die Plattform getestet und er soll sehr angetan von den Möglichkeiten gewesen sein. Und Philip sagt, dass es bereits eine Reihe von Underground-Musik-Partys gegeben hätte, die ziemlich Spaß gemacht haben. In Kürze sollen weitere Partys folgen. Aktuell werden bis zu 100 Teilnehmer pro Instanz unterstützt. Sehr bald sollen aber mehrere tausend Teilnehmer möglich sein. Vermutlich strebt Philip so etwas an, wie die neue Party Royale Umgebung in Fortnite.

Quelle: [NWN] - Philip Rosedale Launches Limited Early-Access to 3D Audio/2D World Experience...

Links:

Donnerstag, 12. Dezember 2019

Die virtuelle Welt High Fidelity wird aufgegeben

Quelle: High Fidelity / Facebook
In den letzten drei Tagen hat Philip Rosedale, CEO von High Fidelity Inc, zwei längere Beiträge im HiFi‑Blog veröffentlicht.

Beim ersten Post habe ich mir noch nicht viel gedacht, doch wie sich jetzt herausstellt, war das nur die Vorbereitung auf den zweiten Post, der für die Zukunft der virtuellen Welt von High Fidelity umfangreiche Auswirkungen haben wird.

Am 9. Dezember hat Philip zunächst einen Abgesang auf VR-Brillen (kurz HMD für "Head Mounted Display") verfasst. Philip ist der Ansicht, dass die aktuellen HMDs nicht die geeignete Technik haben, um Smartphones und Desktop PCs zu ersetzen.

Seiner Ansicht nach hat das vier Ursachen:
  • HMDs sind zu schwer. Die Nutzer sind meist nach 15 Minuten ermüdet.
  • HMDs verhindern die Wahrnehmung der Außenwelt. Eine "Durchschaufunktion" ist erforderlich.
  • Die Nutzung einer Tastatur ist nur sehr erschwert möglich.
  • Die Qualität der Bildschirme ist nicht gut genug. 3K pro Display wären erforderlich.

Philip schreibt, dass sich die HMD-Technik im privaten Unterhaltungsbereich gerade im Entwicklungswinter befindet. Deshalb will er sich weiterhin auf den kommerziellen Profibereich konzentrieren, mit der Hoffnung einen Bedarf zu wecken, der für mehr Investitionen bei den Herstellern von HMDs sorgen könnte.

Quelle: Requiem for the HMD

Die Region "Gotham" in High Fidelity
Am 11. Dezember hat Philip dann mit seinem zweiten Blogpost ziemlich harte Fakten geschaffen, die so wohl niemand erwartet hätte.

Kurzer Rückblick: Am 5. April 2019 hatte Philip bereits eine Neuausrichtung für HiFi angekündigt. Damals hieß es, man werde sich aus dem aktiven Promoten von HiFi zurückziehen, die eigenen öffentlichen Regionen schließen und keine weiteren Events mehr veranstalten. Und am 7. Mai 2019 wurde in einer weiteren Ankündigung bekanntgegeben, dass man 25% der HiFi Mitarbeiter entlässt und sich mit dem Rest des Teams auf die Entwicklung von Tools für virtuelle Zusammenarbeit in Firmen konzentrieren will.

Gestern gab es dann die folgenden Meldungen von Philip, die ich aufgrund der Länge seines Artikels nur als Liste zusammenfasse:
  • Man hat seit Mai 2019 eine Desktop Version für virtuelle Zusammenarbeit von Teams entwickelt.
  • Mehr als 75 Firmen haben an den Tests für die virtuelle Zusammenarbeit teilgenommen.
  • Man habe festgestellt, dass es nicht genug Firmen gibt, die an Tools für virtuelle Zusammenarbeit interessiert sind, so dass sich eine Vermarktung der HiFi-Lösung nicht lohnen würde. Ebenso lohnt sich auch eine Weiterentwicklung nicht.
  • Zudem hätte man es aufgegeben, für die aktuelle Generation von HMDs eine passende Plattform zu entwickeln.
  • Das würde aber nicht bedeuten, dass man virtuelle Welten generell aufgegeben hätte.
  • Ein Team von High Fidelity Inc arbeitet aktuell an etwas völlig Neuem, über dessen Inhalt man noch nichts sagen möchte.
  • All dies führt nun dazu, dass High Fidelity Inc seine eigene Codebasis für HiFi ab dem 15. Januar 2020 unzugänglich macht. Man hätte nicht mehr die Zeit, die Codebasis zu pflegen.
  • Da der Code Open Source ist, kann sich jeder vor dem 15. Januar eine Kopie herunterladen und eine eigene Codebasis anlegen.
  • Da das verbliebene Team nach den Entlassungen im Mai es nicht geschafft hat, High Fidelity voranzubringen, wurden am 11. Dezember (also gestern) weitere 50% der Mitarbeiter entlassen. Dennoch bedankt sich Philip für die gute Zusammenarbeit und das Talent, dass die Mitarbeiter an den Tag legten.
  • Im Steam Store und im Oculus Store werden die Apps für den Login zu HiFi entfernt. Ebenso wird die Virtual You App zum Erstellen von 3D-Avataren auf einem Smartphone aus dem Apple Store und dem Google Play Store entfernt.
  • Die Möglichkeit zum Anlegen eines neuen Account auf der HiFi Homepage wird entfernt.

Am Ende dankt Philip der HiFi-Community für ihre Hingabe und Unterstützung. Er hofft, dass viele darauf warten, bis das HiFi-Team sein neues Produkt starten wird. Ich bin mir da nicht so sicher, denn für alle, die nun sieben Jahre versucht haben, in HiFi etwas aufzubauen, ist diese radikale Neuausrichtung bestimmt schmerzhaft.

Quelle: Updates, and a New Beginning

Mein Avatatar in High Fidelity anno 2016
Zum Schluss noch ein paar kurze Informationen aus der FAQ, die High Fidelity Inc angelegt hat, um den aktuellen Nutzern weitere Fragen zu beantworten.
  • Die Virtual You: 3D Avatar Creator App wird am 15. Januar 2020 aus den Stores entfernt.
  • Die virtuelle Welt von HiFi wird mit den Regionen der Nutzer weiter zugänglich bleiben.
  • Bestehende Accounts und deren Inventar werden nicht gelöscht.
  • Nach dem 15. Januar 2020 kann man sich keinen HiFi-Account mehr anlegen.
  • Der aktuelle Viewer wird weiterhin funktionieren, aber er wird nicht mehr aktualisiert.
  • Die Blockchain für den Content-Schutz bleibt erhalten.
  • Der Maketplace von HiFi wird am 15. Januar 2020 geschlossen.
  • Die virtuelle Währung HFC kann nach dem 15. Januar 2020 nicht mehr umgetauscht werden.
  • Das High Fidelity Team wird zu keinem Thema mehr irgendwelchen Support anbieten.
  • Die Dokumentation der aktuellen Server-Version wird im Web entfernt. Es gibt aber ein PDF.
  • Auch der Zugang für virtuelle Zusammenarbeit im Business Bereich wird eingestellt.
  • Bestehende Nutzer der App für virtuelle Zusammenarbeit können diese weiter nutzen.
  • Das HiFi-Forum wird ebenfalls am 15. Januar 2020 geschlossen.
  • Das Erstellen eigener virtueller Welten mit dem HiFi Open Source Code ist erlaubt.

Ich persönlich denke nicht, dass mit dem Open Source Code von HiFi in Zukunft irgendeine virtuelle Welt entwickelt wird, die für große Aufmerksamkeit sorgen könnte.

Quelle: Company Update: A New Beginning (FAQ)

Links:

Samstag, 21. September 2019

Kleines Update zur High Fidelity Avatar App

Mein neuer Avatar ist im Inventar angekommen
Gestern hatte ich hier einen Bericht zur neuen High Fidelity App "Virtual You: 3D Avatar Creator" geschrieben. Entgegen meinen Erwartungen, wurde dieser Beitrag in den letzten 24 Stunden ungewöhnlich oft aufgerufen. Deshalb habe ich mich entschieden, noch ein kurzes Update zu schreiben.

Ich hatte gestern ja das Problem, dass ich meinen fertigen Avatar aus der App nicht in mein HiFi-Inventar hochladen konnte. Das hat heute ohne Probleme funktioniert. Und das hat nicht mal eine Minute gedauert. Es war wohl gestern tatsächlich nur ein Verbindungsproblem.

Nach dem Einloggen meldete mir der Viewer per Einblendung, dass ich etwas im Inventar empfangen hätte. Und nach dem Öffnen sah ich dann den neuen Eintrag, der ganz einfach nur "Avatar" lautet (siehe Bild oben links).

Was ich gestern nicht erwähnt hatte: Man kann sich mit der App so viele unterschiedliche Avatare machen, wie man möchte. Aber beim Hochladen wird jeweils der vorherige überschrieben. Man kann also nicht Hunderte von neuen Avataren in seinem Inventar erzeugen. Da der Dienst kostenlos ist, macht das aus meiner Sicht aber auch nichts.

Der runderneuerte Maddy 2.0
Jedenfalls funktioniert der Avatar völlig erwartungsgemäß. Der Body ist sauber auf das Skelett geriggt, so dass alle Animationen korrekt funktionieren. Bezogen auf den Avatar-Körper und die Kleidung bin ich auch sehr zufrieden. Vor allem die Augen sind gut geworden und sehen meinen RL‑Augen ziemlich ähnlich. Beim Skin sind sogar die Ränder unter den Augen meines RL-Avatars durch das Selfie übertragen worden. (Hey, es war gestern schon fast Mitternacht als ich das Selfie gemacht habe. Und das an einem Freitag nach einer anstrengenden Arbeitswoche :) ).


Was noch verbesserungswürdig wäre, sind die Haare. Im RL bin ich als Mittfünfziger bereits leicht ergraut. Aber eben nicht so weiß, wie beim Avatar hier auf dem Foto. Es gibt aber in der App keine "ein bisschen grau" Farbe. Und mein RL-Dreitagebart sollte eigentlich den gleichen Grauton haben, doch beim Bart ist noch nicht mal Weiß auswählbar. Vielleicht sollte ich die normalen Haare in die Farbe vom Bart ändern. Dann dürfte das Ergebnis besser aussehen.

Bei diesem Selfie Avatar finde ich vor allem die Augen sehr gelungen.
Insgesamt gefällt mir der Avatar aber ganz gut, gemessen an den anderen Avataren, die man auf dem HiFi-Marketplace erwerben kann. Und wie gesagt, das Ganze ist kostenlos und beliebig oft wiederholbar.

Die Region, auf der ich die Fotos und das GIF gemacht habe, heißt Industry40 und ist eine relativ realistische Nachbildung einer vollautomatisierten Fabrik (eben nach Neudeutschbezeichnung Industrie 4.0). Fast etwas unheimlich da drin, denn die Roboter und Gabelstapler sind animiert).

Mit der GIF-Fotofunktion im HiFi Viewer lassen sich auch kurze Animationen aufnehmen.
Und noch eine letzte Information: Letzte Nacht wurde im High Fidelity Blog angekündigt, dass am Montag ein größeres Update der Plattform durchgeführt wird. Unter anderem wird Acoustic Echo Cancellation (AEC) zur Vermeidung von Audio-Rückkopplungen eingeführt.

Und bereits seit heute gibt es nun jeden Tag zwei bis drei Office Hours in HiFi (inklusive Samstag und Sonntag). Also so etwas wie das TPV-Treffen in SL. Vorher waren die nur einmal pro Woche in HiFi. Offenbar haben die Betreiber erkannt, dass sie ohne die privaten Ersteller von Content ihre Plattform bald abschalten können. Denn die Neuausrichtung auf Business-Kunden bringt am Ende gar nichts, wenn diese Kunden keinen Content für ihre virtuellen Repräsentationen besorgen können.

App-Download:

Links:

High Fidelity veröffentlicht App zur Erstellung von Avataren

Quelle: High Fidelity / Facebook
Es ist schon etwas länger her, dass ich etwas zu High Fidelity geschrieben habe. Seit der Neuausrichtung von einer nutzergenerierten virtuellen Welt zu einem Business-Projekt für virtuelle Büroarbeit, ist HiFi für Freizeitanwender wie mich, relativ uninteressant geworden.

Seit der Neuausrichtung waren die Entwickler von HiFi eigentlich recht aktiv und haben jede Woche zwei bis drei Artikel im Blog veröffentlicht. Aber die drehten sich nur um Vernetzung von Arbeitsgruppen mit Hilfe von Online-Plattformen.

Am 19. September ist nun eine (aus meiner Sicht) interessante Meldung erschienen. High Fedility hat zusammen mit der Firma Wolf3D eine App für mobile Android und iOS Smartphones veröffentlicht, mit der man aus einem Selfie des eigenen RL-Gesichts einen Avatar erstellen kann.

Hier die fünf hervorgehobenen Features der App aus der Store-Beschreibung:
  • Wählt aus Tausenden von Outfit-Kombinationen.
  • Erstellt so viele Avatare, wie ihr möchtet.
  • Ändert euren Avatar jederzeit.
  • Ein High Fidelity-Benutzerkonto ist erforderlich.
  • Die Avatare sind kompatibel für den Einsatz in Anwendungen, die mit der Open-Source-Software von High Fidelity erstellt wurden.

Von der App nach High Fidelity hochladen
Quelle: Google Play
Die kostenlose App heißt "Virtual You: 3D Avatar Creator" und sie ist 331 MB groß. Die Anwendung ist sehr einfach aufgebaut (sofern man Englisch versteht). Im Interviewstil wird man zunächst Schritt-für-Schritt angeleitet, wie man das Selfie mit der Software erstellt.

In Kurzform: Haare möglichst alle aus dem Gesichtsfeld entfernen (ich habe eine Skimütze angezogen), Brille abnehmen und für eine gleichmäßige Ausleuchtung des Gesichts sorgen.

Hat man das Selfie gemacht, wird man weiter per Interview durch die Auswahl des Outfits und der groben Körperform geführt. Danach kann man dann ohne Anleitung noch viele Anpassungen am Avatar vornehmen (Augen- und Nasenform, Haare, Hauttöne, usw.).

Das ist mein Avatar nach etwa 10 Minuten
Arbeit im "Virtual You: 3D Avatar Creator"
Ist alles fertig, kann man sich in der App mit seinem High Fidelity Account anmelden und den Avatar in sein HiFi-Inventar hochladen lassen. Das ist der Teil, der bei mir dann leider nicht funktioniert hat. Ich habe es mehrmals probiert und immer kam nach etwa drei Minuten hochladen eine Fehlermeldung mit dem Wortlaut "Something went wrong".

Ich hatte dann die Wahl zwischen abbrechen und erneut versuchen. Ich probiere es morgen noch einmal. Vielleicht gab es ein Problem mit den HiFi-Servern oder der Internetverbindung. Mein erstellter Avatar bleibt in der App gespeichert und ist somit nicht verloren.

Das Foto hier links habe ich direkt aus der App abfotografiert. Das Gesicht ist jetzt nicht wirklich ein Ebenbild meiner müden Freitagabend RL-Visage, aber es ist auch nicht völlig aus der Luft gegriffen. Ich kann mich durchaus mit diesem Avatar identifizieren. Deshalb möchte ich den auch nach HiFi hochladen.

Insgesamt finde ich die App erstaunlich gut gemacht. Mit einfacher Bedienung und übersichtlichen Einstellungen, bekommt man schnell ein für High Fidelity sehr ansehnliches Ergebnis hin. Die zur Verfügung gestellte Kleidung ist hochwertig, die Haare des Avatars dagegen nicht. Das Gesamtpaket stimmt aber und es macht selbst in der App schon Spaß, den Avatar mit Bildschirmstreichen zu drehen.

Vom RL-Selfie zum virtuellen Avatargesicht
Quelle: Wolf3D
Entwickelt wurde die App in erster Linie für den Einsatz in der Arbeitswelt. Im HiFi-Blogpost schreibt Ashleigh Harris, dass es bei virtuellen Besprechungen und Konferenzen im Beruf leichter ist, wenn man einen Avatar verwendet, der dem eigenen Ich ziemlich nahe kommt. Aber es spricht auch nichts dagegen, den mit der App erstellten Avatar für den Freizeiteinsatz zu nutzen.

Die App soll auch noch weiter verbessert werden, basierend auf den Rückmeldungen der Anwender. Vielleicht sollte sich Linden Lab hier mal etwas abschauen und überlegen, ob sie das für Second Life oder Sansar auch hinbekommen. Bei der heutigen Smartphone Generation kommt diese Art der Avatarerstellung sicher wesentlich besser an als sich stundenlang mit den tausend Schiebern im Viewer zu beschäftigen.

Hier unten in den Links habe ich auch einen zu einem deutschsprachigen Artikel im Online-Magazin "Mixed" eingefügt.

App-Download:

Links:

Sonntag, 2. Juni 2019

Die Stückliste für ein Metaverse

Quelle: High Fidelity Blog
Seit Philip Rosedale eine Neuausrichtung für High Fidelity bekanntgegeben hat, widmet er sich wieder mehr den Grundlagen virtueller Welten. Ob nun in einem Podcast Interview im April oder beim Interview mit Wagner James Au im Mai.

Am 31. Mai hat Philip nun im High Fidelity Blog zusammengefasst, was für ihn (neben VR-Hardware und einem schnellen Internet) die unabdingbaren Zutaten für "das" Metaverse sind. Da ich heute nur wenig Zeit am PC verbringen kann, kürze ich seine Aufzählung stark ab.

In der Einleitung schreibt Philip:
Wir wissen zwar noch nicht genau, wie das Metaverse aussehen wird, aber wenn wir davon ausgehen, dass es sich um eine sehr große digitale Welt handelt, in der viele Leute interessante Dinge gemeinsam erledigen, kann man eine grobe Liste der wichtigsten Teile erstellen.

3D-Audio
  • Aus einer größeren Anzahl von sprechenden Leuten muss man bestimmte Personen heraushören können.
  • Man muss nahe und entfernte Audioquellen erkennen und unterscheiden können.
  • Die Übertragungszeit von Sprache muss kleiner 0,1 Sekunde sein, damit sich ein Gespräch natürlich anfühlt.

Viele Avatare gleichzeitig
  • Bei vielen menschlichen Erlebnissen befinden sich auch viele Menschen gleichzeitig am selben Ort. Schulklassen, Konzerte, Betriebsversammlung, usw.. Ein zukünftiges Metaverse sollte mit einer beliebigen Anzahl von Avataren in derselben Umgebung zurecht kommen.

Reputation
  • Das Metaverse sollte eine Option für jede Art von Pseudonymität anbieten. In der realen Welt kennen wir ja auch nicht jede Person, der wir auf der Straße begegnen. Man sollte an öffentlichen Plätzen anonym erscheinen können, während man bei einer geschäftlichen Besprechung als erkennbarer Mitarbeiter auftreten muss.
  • Besondere Rechte sollten in einem Metaverse nur Personen haben, die nicht anonym sind, da ansonsten eine instabile Welt entstehen könnte.

Miteinander verbundene Bereiche
  • Ein Betreiber eines virtuellen Raumes (Büro, Klassenraum, Konzerthalle, usw.) müssen Verbindungen zu anderen Räumen innerhalb des Metaverse herstellen können.
  • Verbindungen können Türen, Portale, Teleports, usw. sein.
  • Viele kleinere, verbundene Räume sollten Verbünde mit größeren Umgebungen erlauben (Büro, Klassenraum und Konzerthalle werden Teil einer virtuellen Stadt). Philip spricht von verschachtelten Ebenen.

Unbegrenzte Detailgrade
  • In einem großen Metaverse wird es viele Bereiche geben, in denen sehr viele Objekte in verschiedenen Entfernungen im Blickfeld sein können. Damit dies alles in einer akzeptablen Zeit geladen werden kann, muss ein progressives Rendering unterstützt werden. Nahe Objekte detailliert, entfernte Objekte nur grob andeuten.
  • Der sich täglich ändernde Content in einem Metaverse muss in Echtzeit darstellbar sein.

Echtzeit-Bearbeitung
  • Alle Änderungen in einem Metaverse sollten in Echtzeit durchgeführt werden können.
  • Mehrere Avatare sollten an derselben Umgebung zur gleichen Zeit arbeiten können.
  • Alle Änderungen an einem Objekt müssen sofort für alle anderen im Metaverse sichtbar sein.

Programmierbare Atome
  • Jeglicher 3D-Content sollte aus programmierbaren Atomen aufgebaut sein. Dabei müssen die Metaverse Atome größer sein als die aus der realen Welt. Hauptsächlich aufgrund der erforderlichen Rechenleistung.
  • Bei diesem Punkt stellt Philip dann Fragen, die bisher nicht lösbar sind. (Wie werden programmierbare Atome eines Objekts an einen anderen Server übergeben, wenn sich das Objekt bewegt? Wer ist für die Berechnung von sich bewegenden Objekten verantwortlich, wenn diese auf unterschiedliche Server kommen?)

Bezahlsystem
  • Eine gemeinsame globale Währung ist notwendig.
  • Kleine Transaktionsgebühren, die den Geldfluss nicht bremsen.
  • Umtausch von virtueller Währung in reale Währung muss gegeben sein.
  • Blockchain Systeme könnten dazu ein Ansatz sein, allerdings sind sie nicht überall auf der Welt verfügbar oder erlaubt.

Quelle: [HiFi-Blog] - Parts List for the Metaverse
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Anm.:
Interessante Ideen und vieles davon ist heute so schon in Second Life oder auf anderen Plattformen möglich. Allerdings glaube ich, dass unsere derzeitige Gesellschaftsform in den meisten Ländern der Erde keinen wirklichen Bedarf für ein gemeinsames Metaverse sieht.